17.06.09

Weniger wird mehr

Doris Knecht | 06/09 | Kurier-Kolumne

In den USA macht man zur Rettung der Städte jetzt Folgendes: Man planiert sie. Eine gute Idee, die, wie Kollege Mauch vor einiger Zeit im steirischen Eisenerz feststellte, auch hierzulande Anhänger findet: Denn wenn, wie in den amerikanischen Industriestädten, Arbeitsplätze weniger werden, verwaisen die sog. Rost-Gürtel, in denen Berg- und Fabriksarbeiter gelebt haben. Diese Quartiere sollen nun nicht mehr Verfall und Kriminalität preisgegeben, sondern weggerissen und durch Grünraum ersetzt werden, während die Bevölkerung wieder in den Innenstädten zusammenrückt. Gesundschrumpfung mit Öko-Effekt, bestechend logisch. Vermutlich ist Verkleinerung sowieso das einzig zielführende Modell, die Welt noch zu retten. Zurücknahme, Zurückhaltung, Selbstbescheidung, radikale Reduktion. Wir sehen ja, was es gebracht hat, immer alles mehr und größer machen zu wollen. 925 Millionen Menschen auf der Welt hungern, und sie geht kaputt und versinkt im Müll. Apropos kaputt, das passt gerade: Der iPod von Kollegin K.s Sohn ging kaputt. Er brachte ihn zu seinem iPod-Händler, um ihn reparieren zu lassen. Der Herr, bei dem er diesen Wunsch deponierte, sagte: Machen wir nicht, wegschmeißen; reparieren lohnt sich nicht. Und zwar sagte er das, ohne das Gerät auch nur angefasst zu haben. Der Sohn insistierte, also schloss der Mann das Gerät an einen Computer an, Resultat: kaputt, wegschmeißen. Meine Mutter hatte 22 Jahre lang den selben Herd, und wenn er einmal nicht funktionierte, wurde er repariert. Aber das Modell hat wohl keine Zukunft: Der iPod war genau zwei Jahre alt. Er kommt jetzt auf den globalen Handy-, Notebook-, Aufladegeräte- und iPod-Misthaufen.
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