5.08.09

Du kannst natürlich nein sagen, überhaupt kein Problem

Doris Knecht | 08/09 | Falter-Kolumne | Schuld und Sühne | Stadt/Land

Der Lange ist nach insgesamt 18 Stunden geflüchtet; hat sich ins Auto gesetzt und ist bis auf weiteres nach Wien gefahren. 18 Stunden sind heldenhaft, 18 Stunden sind entschieden mehr, als ich ihm zugetraut habe. Ich habe gesagt, folgendes, sie kommen irgendwann am Nachmittag, dann ist eh erstmal Hausumbauen, Kuchen, Prosecoo und Bekannte ausrichten. Am Abend Grillage, und am nächsten Tag hast du, sagen wir, um zehn einen Termin in Wien. Der Lange hielt dann aber viel länger durch und verabschiedete sich erst am Abend, da aber mit Halleluja.

Ursprünglich ausgemacht war: Meine Schwestern kommen mit ihren Kindern, also zu sechst. War dann aber schon seit Wochen ein Gestöhne am Telefon: „Phhh, so ein weiter Weg von Vorarlberg zu dir, und das mit den Kindern.“ „Ich weiß, ich bin ihn in den letzten sieben Jahren im Zug mit zwei kleinen Kindern, lass mich kurz überschlagen, 25 Mal hin und 25 Mal retour gefahren.“ „Jaja, aber du bist es ja gewohnt. Es wäre jedenfalls viel einfacher, wenn man mit dem Zug ins Waldviertel fahren könnte. Mit den vier Kindern hinten im Auto, das wird furchtbar. Mit dem Zug wärs ÜBERHAUPT kein Problem.“ „Ich weiß, deswegen wart ihr, lass mich kurz überschlagen, in den letzten Jahren genau einmal bei mir in Wien.“ „Entschuldigung, wir hatten halt keine Zeit.“ „Ja, eh, für eine voll erwerbstätige Freiberuflerin wie mich ist es ja leicht, immer wieder tage- und wochenlang woanders zu sein, für zwei Hausfrauen dagegen, gar nicht auszudenken, wie eure Häuser ausschauen werden, wenn ihr sie drei Tage lang nicht gesaugt und eure Männer, wenn ihr ihnen drei Tage lang nicht die Hemden gebügelt habt.“ „Lustig.“ „Ja, ich freue mich auch total auf euch.“

Vor einer Woche haben sie mir ein Mail geschickt. Also, sie können praktisch nicht mehr schlafen, vor lauter Horror vor dieser endlosen Autofahrt, und die Eltern wollten doch eh auch demnächst einmal wieder kommen, und jetzt haben sie sich gedacht, wenn die gleich mitkämen, dann könnte man die Kinder in zwei Autos aufteilen, das wäre unendlich viel leichter, und es wäre doch so super, wenn wir wieder mal alle ein paar Tage beeinander wären, und sie haben auch schon in der Pension da bei uns im Ort angerufen, die haben noch Zimmer frei, aber man könnte sich auch so, so und so im Haus verteilen, alles überhaupt kein Problem, und der Opa mit den Kindern, da sind wir doch alle super entlastet, ich soll mir das doch überlegen und ich kann natürlich auch nein sagen, selbstverständlich, überhaupt keine Sache, wenn ich nein sage.

Ja, sicher. Nicht einmal die Schottermizzi könnte nein, sagen, wenn man ihr mit so einem Asylantrag kommt. Jetzt sind sie alle da, und wir bestaunen die interessanten Effekte, die beim Zusammenprall von einem Wiener und drei Vorarlberger Lebensstilen in einem Haus entstehen. Gut ist, dass wir genug Alkohol im Keller haben, und er geht zügig weg.
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» 16.08.09 20:01
Sabine

Da fällt mir nur der Film "Familienfest und andere Schwierigkeiten" ein - wird jedes Jahr um Weihnachten gespielt, wenn die Familien(bagage) sich wieder mal trifft.

Freunde kann man sich aussuchen , Familie kriegt man aufs Auge gedrückt , hat mal wer gesagt :-))

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