19.08.09

Kinder an die Leine

Doris Knecht | 08/09 | Kurier-Kolumne

Sommers fährt Klara K. gerne mit den Kindern an einen See. Es gibt dort einen Gasthof, da kaufen sich die Kinder immer ein Eis. Diesmal ist eine noch eine Freundin samt Kindern mit, und wegen der vielen Wespen holen sich die Kurzen, drei Siebenjährige mit einem Dreijährigen an der Hand, ihr Eis diesmal erst am Rückweg zum Auto.  Klara K. und ihre Freundin wollen derweil schon einmal die Badesachen im Kofferraum verstauen.
Als die Kinder den Gastgarten  betreten, rennen drei Hunde auf sie zu, ein großer, ein mittelgroßer und ein kleiner. Die Hunde bellen und springen an den Kindern hoch. Die Kinder schreien. Die Mütter lassen alles fallen und rennen los, während sie in Richtung des Gasthauses brüllen, dass man die Hunde einfangen soll. Ein Mann, offensichtlich einer der Hundebesitzer, steht auf und beobachtet das Geschehen  mit heiterer Gelassenheit. Schließlich kommt eine Frau gelaufen, fängt die Hunde ein und entschuldigt sich sehr, während der Mann und weitere Leute, denen  einer der Hunde gehört, stabil und reaktionslos am Tisch sitzen bleiben.
Die Mütter beruhigen die Kinder, dann geht Klara K. ziemlich aufgebracht zu dem Tisch und sagt zu den Sitzengebliebenen: Entschuldigung, aber eigentlich ist sie der Meinung, dass die Hundebesitzer ihre Hunde einfangen müssen,  nicht die Eltern ihre Kinder. Der Mann sagt, er hatte eine Knieoperation. Okay, die andern auch? Eine der sesshaft gebliebenen Damen sagt: Sehen Sie sich den Hund an, der ist ja noch ein Baby. Klara K. sagt, das sehe sie, aber ein Dreijähriger nicht, und dass Hunde in einem Gastgarten an die Leine gehören. Die Frau sagt: Nehmen Sie doch Ihre Kinder an die Leine. Da geht Klara K. Manchmal bringt Reden überhaupt nichts.

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