20.08.09

Orientierungsschwächen

Doris Knecht | 08/09 | Kurier-Kolumne

Ausnahmsweise leiden einmal nicht die Kärntner Slowenen unter der periodischen Verhaltensoriginalität des BZÖ sondern  die Vorarlberger. Im Ländle findet gerade Landtagswahlkampf statt, und auch das BZÖ macht mit. Und zwar mit der auf 30 riesigen, zentral plazierten Plakatständern affichierten Parole: „Wir passen auf dein Kärnten auf“.
Die Vorarlberger sind etwas irritiert. Allerdings wissen wir ja, dass BZÖ-Mitglieder zu gröberen Schwächen mit korrekten Ortsangaben auf großen Tafeln und bei juristischem Kleingedruckten neigen. Dieses Defizit beschäftigt schließlich gerade das Justizministerium, und zwar auf eine Weise, dass man sich am Montag dort gedrängt fühlte, den Privat-Blog des Justizskandal-Aufdeckers Florian Klenk für Justizministeriumsmitarbeiter zu sperren. Mit der Begründung, die inkriminierte Website enthalte „Inhalte aus den Bereichen Glückspiel,
Computerkriminalität, Pornografie, Soziale Netzwerke und Phishing.“
Tatsächlich kann man dort justizkritische Artikel zu den Vorgängen um BZÖ-Landeshauptmann Dörfler nachlesen: Was den den Pornografie-Verdacht insofern legitimiert, als normale, strafmündige Bürger die Gründe für die Verfahrenseinstellung für durchaus obszön halten. Aber diesmal fand nicht einmal das Justizministerium ausreichende Gründe für die Blogsperre und hob sie gleichentags auf.
Zurück nach Vorarlberg: Dort lebten, so die Begründung des BZÖ, schließlich 20.000 Kärnten-Stämmige. Mag sein; möglicherweise sind die aber nach Vorarlberg geflüchtet. Denn seit 1919 müssen sich die Vorarlberger dafür verlachen lassen, dass sie einst den Anschluss an die Schweiz wollten. Eins ist aber sicher: Zu Kärnten wollten sie nie.
« Kinder an die Leine | Main | Armut schützt vor Bildung »