26.08.09

Verpasste Chance, klassisch

Doris Knecht | 08/09 | Kurier-Kolumne

Vor einem Jahr wurde am Dach vom Waldviertler Haus eine Warmwasser-Solaranlage montiert. Das dauerte keinen Tag, und hat etwas gekostet, wurde aber von Land und Gemeinde gut und erstaunlich unbürokratisch gefördert. Und trotz des eh logischen  Prinzips ist es jedes Mal wieder lässig: Die Sonne scheint, und wir haben warmes Wasser, einfach so, ohne Einsatz von Energie. Wenn die Sonne länger nicht scheint, muss man fürs Warmwasser halt den Küchenholzofen anheizen, was diesen Sommer aber trotz vieler Regentage praktisch nie notwendig war. Und im Winter, wenn die Sonne sich rar macht, heizt man ja sowieso.
Es ist eine bestechende und rundum vernünftige Idee, dass die Österreicher mit Mini-Sonnenkraftwerken auf ihren Dächern nicht nur ihr eigenes Wasser warm machen, sondern auch Strom für sich und andere erzeugen: indem überschüssiger Strom einfach ins Netz eingespeist wird. Sowohl die Technologie als auch der Wille der Österreicher ist reichlich vorhanden: Letzterer zeigt sich jedes Jahr, wenn sie den  Klimafonds mit ihren Förderanträgen innerhalb von wenigen Minuten bis auf den letzten Cent leeren. Und wenn danach tausende enttäuschte Dachbesitzer ihre Anträge in den Papiermüll knüllen.
Und das ist natürlich die klassische verpasste Chance: Hier würden die Österreicher gemeinsam und total öko zumindest ein bisschen etwas von dem Strom erzeugen, den wir alle täglich verbrauchen. Das wäre nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch pädagogisch wertvoll, denn was man selber gemacht hat, schätzt man mehr. Das gilt auch für den Strom.
Dass Österreich dafür nicht genug genug Geld zur Verfügung stellt, ist völlig unverständlich.

« Obama ist quasi so gut wie fix | Main | Ungarisch reisen (I) »