Doris Knecht
| 09/09
| Kurier-Kolumne
Wieder einmal eine ÖBB-Geschichte, und diesmal eine mit Ganslhaut-Faktor; passen Sie auf. Herr S., sah sich nämlich, wie so viele Bahnkunden, gezwungen, einen Brief an den ÖBB Kundendienst zu schreiben.Und zwar deshalb: An einem Freitag Nachmittag bestieg Herr S. am Südbahnhof am Bahnsteig 14 einen Waggon des EC 159. Herr S. ist 79 Jahre alt, und wie viele ältere Herrschaften ist er lieber zu früh am Bahnhof, im konkreten Fall: eine Stunde zu früh.
Der Waggon, den er bestieg, wurde gerade von einem Putztrupp gereinigt. Das wunderte Herr S. schon ein wenig, und er wunderte sich noch viel stärker, als die Garnitur, in der er saß, sich unversehens bewegte: Sie wurde geschoben, und zwar weit vom Bahnsteig 14 weg, auf ein Abstellgleis. Und dort gneißte Herr S. kurz vor der Abfahrtszeit endlich, dass er im falschen Zug saß. Also im falschen Waggon, nämlich in einem, der erst am nächsten Tag wieder eingesetzt werden würde.
Der alte Herr war auch den beiden Mitarbeitern des Reinigungstrupps aufgefallen, die den Waggon gerade saubermachten, und sie sahen auch: Der Mann hat ein Problem. Und was taten sie?
Herr S. schildert es in seinem Brief so: „Sie halfen mir (hoben mich!) aus dem Waggon und geleiteten mich (trugen mich!) alle Vorsicht beachtend über die vielen Geleise zum Bahnsteig 14 des Südbahnhofs“, wo der richtige EC 159 gerade abfahren wollte. Mit dem Handy riefen die beiden Herren die Zugbegleiterin des Zuges an, und die sorgte tatsächlich dafür, dass der Zug noch den Augenblick am Bahnhof wartete, den alte Herr brauchte, um sicher einzusteigen.
So kann’s einem auch gehen mit der ÖBB. Gansl-haut, ich sagte es doch.