Doris Knecht
| 09/09
| Kurier-Kolumne
Josef B. wohnt am Wiener Flötzersteig, und der ist bekanntlich oben. Stellenweise sogar ziemlich hoch oben. Dort oben erreichte ihn ein eingeschriebener Brief, besser, er erreichte ihn nicht, denn Josef B. war nicht daheim. Als er von der Arbeit kam, fand er einen gelben Zettel, der ihn zwar über den eingeschriebenen Brief, hinterlegt bei der Post-Filiale Wiental, informierte, aber nicht über den Absender: Woraus Josef B. erlesen hätte können, ob der Brief wichtig ist oder nicht.
Das ist ihm schon öfter passiert, und weil die Post-Filiale Wiental gute zwei Kilometer entfernt und sehr weit unten liegt, hat er auch schon öfter versucht, in der Filiale anzurufen und den Absender zu erfahren, was ihm, da es keine filialinternen Abgabestellen mit zugehörigen Abgabe-Leitern mehr gibt, stets misslang. Und an den Schaltern haben sie immer so viel zu tun, dass sie meistens nicht abheben.
Auch diesmal nicht, also stieg Josef B. auf sein Radl, fuhr zwei Kilometer hinunter, behob den Brief, stellte fest, dass er für ihn völlig unwichtig ist, und radelte die zwei Kilometer im kleinsten Gang wieder hinauf: So oben wohnt er nämlich.
Und ärgerte sich mächtig: Dass der Postler das Feld mit dem Absender nie ausfüllt. Dass er deshalb keine Möglichkeit hat zu erfahren, ob sich der Weg zum Postamt lohnt. Und nun hat Josef B. eine Idee, die er dem Rest der gelbzettel-geplagten Welt nicht vorenthalten möchte: Er wird jetzt jeden dieser gelben, absenderfreien Zettel einscannen, und bei www.post.at, Kundenservice uploaden, und wird schriftlich darum bitten, ihn innerhalb der Abholfrist über den Absender zu informieren.Weil er hat das sinnlose Hinunter- und Hinaufgeradle tüchtig satt. Ob das etwas bringt? Werden wir schon sehen.