25.09.09

Desto erfolgreicher

Doris Knecht | 09/09 | Kurier-Kolumne

Michael Häupl fürchtet einen „grauslichen“ Wiener Wahlkampf und ist damit nicht allein. Man kann fix davon ausgehen, dass die FPÖ alle Provokationsregister ziehen wird: immer knapp an der Grenze zur Rechtswidrigkeit, stets im Graubereich von knackiger Dichtung und komplizierter Wahrheit. Es werden Gruppen und einzelne Menschen durch den Dreck gezogen werden. Es wird brutal. Die Frage ist, ob man sich gegen derlei wappnen kann, bzw: wie man damit umgeht. Die üblichen Reflexe des Buh-Rufens und scharf Abgrenzens von links haben in der Vergangenheit nicht besonders gut funktioniert. Sondern führten fast stets dazu, dass alle, die sich übergangen, unverstanden, zu kurz gekommen, entrechtet, ungeliebt und ausgegrenzt fühlen, sich in der rechten Ecke, dort wo die ganz simplen Lösungen verkauft werden, eng zusammenkuscheln. Und sich hinter noch ärgeren Parolen verbarrikadieren: je menschenverachtender, rassistischer, antisemitischer und grauslicher, desto erfolgreicher. In Vorarlberg haben gerade 44.122 Wählerinnen und Wähler goutiert, dass FPÖ-Chef Egger den Direktor eines jüdischen Museums diffamiert hat. Es hat nichts genützt, dass die anderen Parteien sich gegen diese Form des Antisemitismus verwehrten, oder dass Egger schamloser Lügen überführt wurde, im Gegenteil: Ein Viertel der Wahlberechtigen sagte: super, gut so, ganz in unserem Sinn. So ein undifferenzierter Sündenbock-Wahlkampf mit extremen Parolen wird bald auch in Wien beginnen. Und das werden, wie im Ländle, auch hier nicht nur die Allerdümmsten akklamieren. Wogegen man realistischerweise wenig tun kann. Es ist wie bei einer Fliegenplage: Man wedelt sie weg, sie kommen wieder.
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