20.09.09

Die Bezahler-Generation

Doris Knecht | 09/09 | Kurier-Kolumne

Kürzlich nach dem Hort-Elternabend: großes Gemurre. Es war wegen des Platzgeldes; jener ziemlich geschmalzene Betrag, den man trotzdem bezahlt, wenn das Kind vier Wochen in den Ferien ist. Nebenan, im Kindergarten, den fast alle der Hortkinder die letzten zwei, drei oder vier Jahre lang besuchten, ist jetzt alles gratis, auch die Ferien: Während wir für den Kindergarten pro Kind über die Jahre bis zu insgesamt 14.000 Euro ausgegeben haben. Wir fühlen uns ein bissl verhöhnt.
Deshalb wird jetzt einmal ein wenig gejammert, denn: Wir sind die Bezahler-Generation. Wir sind diejenigen, die immer voll brennen. Die 30- bis 50jährigen, die jetzt Schul- oder studierende Kinder haben: Für uns gabs kein Geburtengeld mehr und kein Heiratsgeld; das wurde abgeschafft, kurz, bevor wir’s nutzen konnten. Wir, die Frauen vor allem, durften die Kinderbetreuung nicht absetzen, dafür bezahlen wir, anders als in anderen Ländern, unsere Verhütungsmittel komplett selber; dafür fühlt sich die Krankenkassa nicht zuständig.   Wir bezahlen Länge mal Breite die Renten der jetzigen Pensionisten, haben aber keine Garantie, dass wir selber einmal Pensionen bekommen. Viele von uns bezahlten zwischendurch auch noch Studiengebühren für ihre Kinder. Wir müssen länger arbeiten. Wir zahlen hohe Steuern, hohe Zinsen, hohe Mieten, hohe Gebühren, hohe Selbstbehalte: für Schulbücher,  für Schülerfreifahrten, für Arztbesuche, für Medikamente. Denn wenn eine öffentliche Institution wie die Krankenkassa Finanzprobleme hat, selbstverschuldet oder nicht: Wir zahlen die Rechnung.
Immerhin: Wir müssen nicht mehr fürs Erben bezahlen. Und Fliegen ist billiger als früher. Aber sonst: zahlen wir.
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