17.09.09

Die Eleganz des Simplen

Doris Knecht | 09/09 | Kurier-Kolumne

Der Fahrradmechaniker ist der Meinung, ich brauche einen neuen Lenker. Wieso, mein Lenker ist tadellos, der passt mir genau,  ich mag meinen Lenker. Jaja, sagt der Fahrradmechaniker, aber der Lenker ist, wie der Rest vom Rad, wenigstens zwanzig Jahre alt, und obwohl es ein gutes, stabiles Rad ist, Qualitätsarbeit aus dem Ländle, brauche ich, wenn es mich nicht demnächst auf die Pappn hauen soll, einen neuen Lenker. Der da könnte brechen. Na gut, bald. Und meine Güte, die Kette schaut wieder aus, seufzt der Mechaniker, du musst die Kette öfter ölen, die ist ja schon wieder total rostig. Ja, gut, gut, versprochen.
Während der Mechaniker meine Kette ölt und dann die halbaufgelösten alten Griffe vom Lenker schneidet und mir neue hinaufmurkst, schaue ich mir die Helme an. Ob ich einen Helm will, fragt der Fahrradmechaniker, der auch ein Rad- und Zubehörhändler ist. Nein, eigentlich nicht. Die Vernunft sagt mir, ich sollte einen wollen, aber ein paar andere Dränge sind derzeit noch stärker.
Es sieht einfach zu deppert aus; der Helm, mit dem man nicht deppert aussieht, ist noch nicht erfunden. Natürlich ist es noch depperter, auf derlei Wert zu legen, trotzdem. Und, so sieht das auch der Mechaniker, das Lässige am Fahrrad ist doch seine Einfachheit, die Eleganz des Simplen. Man steigt auf und fährt los. Man springt runter und ist da. Kein Stauen, kein Treibstoff, keine Parkplatzsuche. Keine teuren Reparaturen. (Und kein Stöckelschuh-Fußweh.) Alles was die Sache auch nur minimal verkompliziert, stört, passt irgendwie nicht dazu; selbst wenn es etwas so Vernünftiges ist, wie seinen Blutzer zu schützen.
Fünf Euro, sagt der Fahrradmechaniker. Danke, sage ich, und wegen demLenker komme ich dann.
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