Doris Knecht
| 09/09
| Kurier-Kolumne
Am Samstag wurde an dieser Stelle der SPÖ-Vorstoß begrüßt, Asylwerbern den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Es gab ein paar Leserbriefe, die dem zustimmten, ein paar, die das verantwortungslos oder huschi fanden und einen, auf den ich hier näher eingehen möchte.
An und für sich eh kein schlechter Kommentar, schrieb Frau I.-T., bis auf den Umstand, dass ich ihn mit einem einzigen Satz zerstört hätte. Denn ich behauptete, dass Menschen, die man zur Untätigkeit verdamme, eventuell auf „dumme Ideen“ kämen, zum Beispiel sich die Zeit mit häuslicher Gewalt zu vertreiben. Und das sei nun, meint Frau I.-T., Vorstandsfrau eines österreichischen Frauenhauses, erstens völlig falsch, zweitens in seiner Falschheit auch noch verharmlosend. Und was soll ich sagen, sie hat Recht.
Denn, so Frau I.-T., zig Studien weisen nach, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen harten Lebensbedingungen und Gewalt gegen Frauen gibt. Weder Alkohol, noch Arbeitslosigkeit seien die Ursache dafür, dass Männer ihre Frauen und Kinder schlagen, „sie können“, schreibt Frau I.-T., „vorhandenes Gewaltpotential verschärfen, ja: aber Auslöser sind sie nicht.“ Diese Männer hätten die Grundeinstellung, dass es in Ordnung sei, Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung einzusetzen. Im Prinzip: patriarchale Verhaltensmuster. Und: Viele Asylwerberinnen kämen genau aus solchen partriarchalischen Gesellschaften, in denen die Gesetze die Untaten der Männer auch noch legitimieren.
So ist es. Und mit einer „dummen Idee“ hat Gewalt gegen Frauen und Kinder, wie Frau I.-T. richtig kritisiert, nichts zu tun. Sagen wir so: Das war dumm.