Doris Knecht
| 09/09
| Kurier-Kolumne
Das ging jetzt aber nach hinten los. Schrieb mir doch Leser Mag. Johannes W., dass er, „dank Ihnen“ bei der Wien-Wahl der FPÖ seine Stimme geben werde: „H.C. Strache wird‘s freuen...“. Zwar verstehe ich auch nach wiederholter Lektüre seines Mails (und der inkriminierten „Desto-erfolgreicher“-Kolumne) nicht genau, warum er das tut, aber das entspricht ziemlich genau dem Standard-Verständnis zwischen FPÖ-Wählern und mir.
Die Frage, die die Leserinnen und Leser beschäftigt: Darf man ein Viertel der Wählerschaft als dumm und allerdümmst bezeichnen, weil sie der FPÖ ihre Stimme gibt? Nein, schreibt Leser Dieter H., „das sei billig“. „Ja“, meint dagegen Leser Gerd T.: denn Dummheit werde durch ihre prosperierende Massenhaftigkeit ja nicht weniger dumm, sondern höchstens gesellschaftsfähiger.
Dieser Ansicht neigt auch Ihre Autorin zu. Trotzdem, dumm oder nicht, können die anderen Parteien diesen Wählern natürlich nicht einfach freundlich nachwinken, wenn sie sich in ihre rechte Schmollecke verziehen. Und die große Frage, die Wien bis nächsten Herbst zu beantworten hat, lautet: was dann. Denn der kritische Leser-Einwand, dass auch, oder gerade diese Wähler nach komplexen Lösungen für gesellschafliche Probleme gierten, stimmt halt nicht. Diese Wähler wollen simple Heilsversprechen, sie wollen ihre Probleme frei Haus gelöst bekommen und nicht gemeinsam lösen.
Bleiben zwei Möglichkeiten: Die Heilsversprechen auch links und mittig versimplifizieren. Oder ehrlich und mutig sein und sagen, so billig geht‘s nun mal nicht: Wenn unsere Stadt/unser Land besser werden soll, müssen wir gemeinsam ran. Obama hat damit Amerika auf seine Seite gebracht. Möglicherweise klappt das ja auch in Wien.