Doris Knecht
| 09/09
| Kurier-Kolumne
Was es noch gab, diesen Sommer: keinen Fernseher. Hier, wo wir die Ferien verbracht haben, gibt es keinen und auch nach neun Wochen totaler TVlosigkeit verspürt keiner den Wunsch, dass es einen geben sollte. Na gut, die Oma. Ich glaube, die Oma scheut diesen abseitigen Ort ein wenig, sie war einmal ein paar Tage da, besucht uns aber lieber in Wien, wo es Geschäfte gibt, Öffis, keine Spinnen und einen Fernseher, vor dem sie abends einschlafen kann. Und der ihr hier das Gefühl gäbe, nicht ganz aus der Welt zu sein.
Den Kinder, die auch am Wiener Fernsehgerät (bis auf Ausnahmen wie, ähm, „Dancing Stars“) nicht fernsehen, sondern ab und zu Filme und Serien auf DVD sehen dürfen, fehlte er auch nicht: Allerdings wurde ich zugegebenermaßen bei anhaltendem Regenwetter gezwungen, meinen Laptop zu entfremden und mit Kinder-DVDs zu füttern. Reicht auch. Geht eh. Geht auch nachts, wenn die Kinder schlafen und die Großen sich hin und wieder via DVD staffelweise die großartigen der amerikanischen TV-Serien einsaugen, „The Wire“, „Curb Your Enthusiasm“, „West Wing“ oder „Deadwood“ die der ORF hartnäckig ignoriert und in denen man, da hat Daniel Kehlmann vollkommen recht, meistens sehr viel mehr vom Leben sieht und spürt als im Theater. Wer braucht bitte zum abertausendsten Mal den „Faust“? Jaja, sollen derartige Wiederundwieder-Inszenierungen freuen, wen mag; jeder nach seinem Geschmack. Aber schauen Sie sich einmal „The Wire“ an: ganz großes Drama, realistisch, zeitgemäß, präzise und kollossal spannend.
Trotzdem: Wieder ein bisschen ganz normales Durchschnittsfernsehen an Herbstabenden... Darauf freue ich mich jetzt auch.