13.09.09

Sah von weitem wie ein Rennpferd aus

Doris Knecht | 09/09 | Kurier-Kolumne

Das haben wir ja gleich gesagt. Das roch doch schon vor Wochen komisch. Und zwei Stunden vor der endgültigen Absage des Jackson-Tribute-Konzerts hat sich dann auch die Stadt Wien aus der Sache zurückgezogen, aber: zu spät. Den Scherben haben die Gemeinde, die Wiener SPÖ und Finanzstadträtin Renate „Wonderful, wonderful, wonderful“ Brauner jetzt auf, und zwar zu Recht. Denn das war sehr unprofessionell. Jede Kindertheater-Gruppe muss für 1500 Euro Subvention konkretere inhaltliche Konzepte vorlegen, als das, wofür die Gemeinde Wien hier zickezacke bereit war, die Westeinfahrt zu sperren und 600.000 Euro auf den Tisch zu legen. Der Schaden, den sie sich hier selbst zugefügt hat, lässt sich auch mit dem Rückzug um fünf vor zwölf und der daraus resultierenden Absage nicht so leicht reparieren. Denn auch wenn die Jackson-Fans das Geld für die teuren Tickets – gewiss nicht ohne Umstände – jetzt retourniert bekommen: Es bleibt eine Enttäuschung und ein Vertrauensbruch. Weil wenn sich eine verantwortungsbewusste Kommune mit soviel Geld hinter eine Veranstaltung stellt, dann sollte man sich ja wohl darauf verlassen können, dass das auch was wird. Da hat man sich aber getäuscht. Anstatt (wie die anderen Jacksons) zu fragen, was Jacko mit Wien zu tun hatte und umgekehrt, und wie lange im Voraus internationale Superstars üblicherweise gebucht werden, wollte die Wiener SPÖ auch ein bissl Kapital aus der weltweiten Trauer um den King of Pop schlagen: Man erhoffte sich von von dem vermeintlichen Welt-Ereignis ein wenig glamourösen Image-Transfer für den Wien-Wahlkampf. Und hat deshalb dem Gaul, der von weitem wie ein rassiges Rennpferd aussah, nicht so genau ins Maul geschaut.
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