Doris Knecht
| 10/09
| Kurier-Kolumne
Zuerst aufgefallen ist es einer Neunjährigen: „Warum geht es im Fragebogen nur um Schüler und Lehrer? Und nicht auch um Schülerinnen und Lehrerinnen?“ Ja, warum?
Soeben läuft „Wiens größte Schulbefragung“. Die Kinder haben Fragebogen aus der Schule mitgebracht: grüne für Eltern, rosafarbene für Volksschülerinnen und Volksschüler. Die Erziehungsberechtigte findet es spontan eine gute Idee, dass sie über ihre Meinung zur Schulsituation ihrer Kinder befragt wird – und dass man auch die Kinder einbezieht.
Leider zielt die Frage „Wie kommst du mit deinen Lehrern aus?“ weit an deren Lebensrealität vorbei: Weil es an ihrer Volksschule nämlich keinen einzigen Klassenlehrer gibt, nur Lehrerinnen und einen Direktor. Und weil ihre „Mitschüler“ zu etwa 60 Prozent Mitschülerinnen sind. Auch die Frage an die Eltern, „Wie würden Sie in der Schule Ihres Kindes den Umgang der Schüler miteinander beurteilen?“ lässt sich kaum im freundschaftlich-weniger-freundschaftlich-Multiple-Choice-Verfahren beantworten: Weil wer ist da gemeint? Die Schulbuben untereinander? Oder auch die Schülerinnen?
I-Tüpferlreiterei? Sicher. Ist aber wichtig, speziell in einem Fragebogen der SPÖ-Stadtregierung, deren Frauenstadträtin Gender Mainstreaming zu einem Hauptanliegen erklärt hat: Was ja u.a. bedeutet, Frauen – und Mädchen – auch in der Sprache sichtbar zu machen. Worauf zweitens schon neunjährige Mädchen sensibilisiert sind, die sich zurecht fragen, wo in diesem Bild sie sind.
Drittens muss es nicht unbedingt das Binnen-I-sein, man kann auch einmal von Schülerinnen und das andere Mal von Schülern sprechen. Aber die Schülerinnen und die Lehrerinnen einfach komplett ignorieren: Das geht nicht mehr.