Doris Knecht
| 10/09
| Kurier-Kolumne
Sie bedienen uns in Restaurants. Sie zahlen uns auf Banken Geld aus. Sie vertreten uns vor Gericht. Sie nehmen unsere Anzeigen auf und sorgen für unsere Sicherheit. Sie bauen unsere Häuser. Sie managen unsere Unternehmen. Sie vertreten uns in Gemeinderäten, Landtagen, Parlamenten. Sie fahren unsere Straßenbahnen, Züge und Taxis. Sie predigen uns von der Kanzel. Sie regeln unsere Versicherungsangelegenheiten. Sie spielen auf unseren Bühnen. Sie behandeln unsere Gastritis und unsere Rückenleiden. Sie singen unsere Lieder. Sie unterrichten unsere Kinder.
Sie sind überall, den ganzen Tag; und nachts sitzen sie vor ihren Computern und holen sich, während sie sich Bilder und Filme ansehen, in denen Babies und Kinder brutal vergewaltigt werden, einen herunter. Ganz normale Männer von nebenan: Und sie werden mehr.
Man will gar nicht darüber nachdenken. Weil man, wenn man darüber nachdenkt, nicht mehr gut schläft. Weil der Schlaf vor der Angst und dem Grausen kapituliert; und dem ungeheuren Mitleid mit diesen Kindern.
Und weil die Frage unbeantwortet bleibt: Wie können diese Männer kleinen Kindern so etwas antun, so etwas tun? Wie kann das offensichtliche Elend, das Leid, die grauenhafte Angst, der Schmerz schutzbedürftiger Kinder so viele Männer sexuell erregen? Wie wird man emotional und sozial so gestört und menschlich kaputt, dass man angesichts eines vergewaltigten Kindes keinen Schutzimpuls spürt: sondern Lust?
Und die sind überall,: Wir und unsere Kinder haben täglich mit ihnen zu tun. Man kann gar nicht mehr schlafen, wenn man daran denkt.