4.10.09

Keins davon in Wien

Doris Knecht | 10/09 | Kurier-Kolumne

Wie geht noch einmal dieser alte Spruch? Ach ja, so: Pass auf, was du dir wünscht, es könnte in Erfüllung gehen. Thomas Glavinic’ neuer Roman „Das Leben der Wünsche“ handelt davon, und die heutige Kolumne auch, weil: Das Stadthallenbad wird ab Mai renoviert, am Montag wird es im Gemeinderat beschlossen. Halleluja! Denn das Hygiene-Defizit in den Sanitärbereichen ist – wie auch an dieser Stelle immer wieder vermerkt wurde – schon lange nicht mehr feierlich. Da schaut’s aus... Viel zu eng ist es auch, bei den zahllosen Schulklassen und Kindergartengruppen, die dort täglich durch müssen. Also: endlich, gut. Aber auch: schlecht! Weil wo geht man dann schwimmen, die ganzen eineinhalb Jahre lang, in denen umgebaut wird? Nämlich schwimmen im Sinne von schwimmen und sporteln, nicht von plantschen. Tatsache ist: Wenn das Stadthallenbad wegen Umbau geschlossen sein wird, gibt es in ganz Österreich nur noch zwei überdachte 50-Meter-Becken, und keins davon ist in Wien. (Was im Stadthallenbad jeden Morgen zwischen sieben und zehn dazu führt , dass in den beiden Sportler-Bahnen mitunter ein Verkehr herrscht wie zur gleichen Zeit am Wiener Gürtel.) Das ist für eine Großstadt ein wenig wenig und hat bereits zu Überlegungen geführt, das 50-Meter-Becken im Stadionbad mit einer Traglufthalle zu überdachen. Davon hört man allerdings nichts mehr. Aber zumindest den Sommer über kann man dann ja dorthin ausweichen. Oder ins Kongressbad, das auch über ein 50-Meter-Becken verfügt – welches einst sogar ein 100-Meter-Becken war. Von derlei träumen Wiens Schwimmer heute nur.
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