Doris Knecht
| 10/09
| Kurier-Kolumne
Endlich fordern die SPÖ-Frauen eine Frauenquote im Parlament, und endlich fordern sie eine realistische: 50 Prozent der Abgeordneten sollen weiblich sein. Vor ein paar Monaten wollte man sich noch mit 40 Prozent zufriedengeben, wobei man sich als Frau nicht für voll genommen fühlte: Warum sollte sich die Gruppe, die 51 Prozent der Bevölkerung stellt, mit 40 Prozent der Parlamentssitze zufrieden geben? Unlogisch, das erkannten jetzt offenbar auch die SPÖ-Frauen. (Und die Erkenntnis überdauert hoffentlich parlamentarische Enquete von gestern.)
Der Ist-Zustand jedenfalls ist ein trauriger: Nur 27,9 Prozent der Nationalratsabgeordneten sind weiblich. Und auch wenn das besonders Männer gerne negieren: das Geschlecht von Abgeordneten spielt im politischen Alltag sehr wohl eine Rolle: denn da, und nur da, wo viele Frauen sind, werden die sogenannten Frauenthemen auch als wichtig erachtet.
Es ist ja klar und durchaus verständlich, dass die Männer sich nicht von sich aus darum bemühen werden, Privilegien abzugeben und sich Verpflichtungen aufzubürden. Und naturgemäß neigen Männer gerne der Meinung zu, dass es wichtigere Themen gebe als Einkommensscheren, Kinderbetreuung, Arbeitszeitverteilung oder Halbe halbe: Weil die meisten Männer dabei nichts zu gewinnen haben; im Gegenteil.
Die Frauen aber schon. Denn das Leben ist für die Frauen noch lange nicht gerecht. Genug Frauen gibt es leider immer nur dort, wo es man viel persönliches Engagement nötig ist und es wenig zu verdienen gibt: Im Pflegebereich, in der Kinderbetreuung, an Volksschulen, im eigenen Haushalt. Und auch weil dort Männerquoten gefragt wären, brauchen wir eine Frauenquote, nicht nur im Parlament.