Doris Knecht
| 10/09
| Kurier-Kolumne
Heute im Angebot: zweimal Bim. Zuerst die Geschichte wie Klara K. kürzlich des Abends in der Josefstadt einen Zweier Richtung Dr.-Karl-Renner-Ring bestieg und gleich merkte, das etwas nicht stimmt, denn er fuhr in eine andere Richtung. Klara K. stieg an der Alser Straße wieder aus, wo soeben ein 43er einfuhr, welchen Klara K. beherzt besprang. Viele sportlich bekleidete Passagiere ließ in Frau K. einen Verdacht aufkeimen, und sie fragte den Fahrer, ob denn der Ring an diesem Abend überhaupt mit Bims befahren werde, und bekam, schon fast am Ring, die Auskunft: Das wisse er nicht, sie müsse schon die Aushänge an den Stationen lesen. Es fuhr, wie Frau K. bald merkte, nichts am Ring, denn es war, wie jeder außer ihr und dem Fahrer wusste, Night-Run. Klara K. findet, ein Bim- Fahrer sollte derlei wissen. Na.
Jetzt die Geschichte, die mir Dr. B. erzählt hat: Dieser trachtete letzten Sonntag am Dr. Karl-Renner-Ring den 49er durch die zweite Tür von vorne zu besteigen, so wie vor ihm eine gehbehinderte ältere Dame mit Stock . Mit mäßigem Erfolg, denn die Tür schloss sich, quetschte die Dame ein und öffnete sich, nach sinnlosem Knopfgedrücke, erst wieder, als Dr. B. sie mit Gewalt und beiden Händen aufdrückte. Danach marschierte er zur Fahrerin und fragt, wieso niemand reagiere, wenn so etwas passiert. Die zucktedie Achsel, grinste und sagte: „I sitz da vurn, i hob nix gsehn.“
Dr. B. schreibt mir jetzt: „Ich finde es ja löblich, dass die Wiener Linien auch behindertes Personal beschäftigen, aber eine blinde Fahrerin ist wohl doch etwas ungewöhnlich. Leicht hätte sich wieder eine Schlagzeile für die Morgenzeitungen ergeben können.“ Ist dem etwas hinzuzufügen? Nein.