Doris Knecht
| 10/09
| Kurier-Kolumne
Nicht schon wieder!!! Philip Roth hat wieder nicht den Literaturnobelpreis bekommen. Schon! Wieder! Nicht! Und das ist: eine Kultur-Schande, wie jedes Jahr. Ein literaturhistorischer Irrtum, wie jedes Jahr. Ein Schlag ins Gesicht der mündigen Roth-Leser, wie jedes Jahr.
Ja, ich nehme das allmählich persönlich. Ich fühle mich als Leserin missachtet; als Roth-Leserin, die, wie Millionen anderer Roth-Leser, jedes seiner Bücher in der ersten Erscheinungswoche beim Buchhändler kauft und sofort liest.
Und man kann über Roth viel sagen (dass er ein wehleidiger Lustgreis ist und dergleichen) aber er hat noch nie ein schlechtes Buch geschrieben. Er hat fantastische und weniger fantastische geschrieben, aber keins war je schlecht. Und wenn er einmal ein weniger fantastisches schreibt, heißt das nie, dass nicht das nächste wieder ein Meisterwerk sein kann. Und zwar auch, weil Roth’ Themen immer wieder auch um die eigene Vergänglichkeit kreisen, das eigene Hadern mit dem Alter und der wachsenden Distanz zu Sex. Denn auch darüber muss einer schreiben, und zwar exakt so.
Nichts gegen Herta Müller. Und nicht, dass Herta Müller den Literaturnobelpreis nicht verdient hätte. Aber irgendwie halt erst, wenn ihn Philip Roth endlich hat. Die ignorante Jury tut mit dieser jährlichen Beschämung ja auch den Preisträgern nichts Gutes. Die müssen sich ja immer denken: Schön, dass ich den Literaturnobelpreis gekriegt habe, aber eigentlich hätte ihn endlich Philip Roth verdient.
Und deshalb steht auch heute hier, was hier jedes Jahr an diesem Tag steht und so lange stehen wird, bis Philip Roth endlich den Preis gekriegt hat: Der Literaturnobelpreis ist bedeutungslos, so lange Philip Roth ihn nicht hat. Jawohl.