5.11.09

Das gehört halt auch zur Stadt

Doris Knecht | 11/09 | Kurier-Kolumne

Was eine große Stadt aushalten können sollte: Ein bisschen Durcheinander. Ein wenig Lärm: Autolärm, Kinderlärm, Schanigartenlärm, Ballkäfiglärm. Ein bisschen – nicht zuviel – Dreck, also soweit er sich nicht von den Verursachern entfernen lässt. Ein bissl Kriminalität, realistischerweise. Solche und solche Gegenden. Unterschiedliche bis sehr unterschiedliche Menschen und Lebensentwürfe. Schön neben schiarch, reich neben arm. Angenehme und nicht so angenehme Dinge, und dass man auch manchmal Sachen und Menschen zu sehen bekommt, die man Ruhekissengewissensmäßig lieber nicht sehen würde: Drogenabhängige, Bettlerinnen, Obdachlose. Aber gerade auch das, weil derzeit soviel von Quasi-Sozialschmarotzereien die Rede ist, sollte eine Stadt aushalten können; die gibt es, die sind da, die gehören zur Stadt dazu, weil sie nämlich auch von der Stadt und ihren Zwängen und Lebensumständen bedingt werden. Die Stadt könnte die natürlich, um das Gewissen der anderen rein zu halten, vertreiben oder verstecken: Besser, sie sorgt dafür, dass diese Leute nicht verhungern, an heilbaren Krankheiten sterben oder erfrieren. Was derzeit das Thema ist: ein paar hundert Menschen schlafen in Wien im Freien. Die Caritas mit dem Canisbus versorgt bis zu 250 Menschen täglich mit Suppe, Tee und Brot und verteilt einmal wöchentlich warme Wolldecken. Das akute Problem: Das Wolldeckenlager für obdachlose Menschen ist fast leer, auch in der Gruft gibt es zu wenige Decken, es müssen dringend und schnell welche her. 15 Euro kostet eine Wolldecke, die Caritas bittet um Spenden: PSK 7.700.004, Blz 60.000, Kennwort Wolldecken. Es schneit schon, nachts friert es: Obdachlosig ist eine urbane Realität; wenn möglich, helfen wir.
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