15.11.09

Das Kind ist tot.

Doris Knecht | 11/09 | Kurier-Kolumne

Gestern ist ein einjähriges Mädchen von einem Rottweiler totgebissen worden. Es war der Familienhund. Der war sicher bisher immer ganz lieb. Der tat nix. Und der wollte vielleicht auch diesmal nur spielen; leider ist dabei das Kind tot geworden.
Das ist so schockierend und traurig, man kann und will man eigentlich gar nichts mehr sagen. Weil es ist alles schon gesagt worden, zuletzt vor zwei Monaten, als zwei Pitbulls eine Dreijährige fast umgebracht hätten. Die Pittbulls, die ja nichts dafür konnten, leben immer noch unbehelligt bei ihrer unbehelligten Besitzerin; immerhin wird ihr Sohn zur Verantwortung gezogen. Die Dreijährige überlebte schwer verletzt und mit nur noch einem Ohr. Und viele besorgte  Eltern, Großeltern, Hundebesitzer, Kommentatorinnen, Bürgerinnen und Bürger fragten entsetzt: Muss erst ein Kind sterben, damit etwas geschieht? Damit etwas gegen bestimmte Hunderassen und gegen verantwortungslose Hundebesitzer unternommen wird?
Jetzt ist ein Kind tot, es starb an schweren Kopfverletzungen, zerfleischt  vom Hund seines Vaters. Und das verschärft die Tragödie zusätzlich. Denn dieser Hund war vermutlich gut erzogen: Sein Besitzer, der Vater des toten Kindes, ist Polizeihundeführer.
Es liegt also nicht immer nur an den verantwortungslosen, erziehungsfaulen Hundehaltern. Es liegt auch an den Hunden selbst; deren Gefährlichkeit offenbar nicht einmal ausgebildte Experten richtig einschätzen können. Es ist Zeit endlich ernsthaft das Verbot bestimmter Rassen in Angriff zu nehmen.
Es ist viel zu lange gewartet worden. Man hat es darauf ankommen lassen, und es ist wieder passiert: Und diesmal ist das Kind tot.
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