Doris Knecht
| 11/09
| Kurier-Kolumne
Eine Zeitlang war es eher trist am Brunnenmarkt. Nein, nicht trist, es wurde bloß immer einheitlicher. Eh gabs immer schon tolle Orte wie den Käsewagen mit der fantastischen Auswahl. Das Kent. Die beste Holzofenbäckerei im Umkreis von drei Bezirken, mit fantastischen Öffnungszeiten. Der Fisch-Mann. Den Staud und das Café International.
Aber: Die Bank sperrte zu: ein türkischer Haushaltsladen kam hinein. Eine Fleischerei machte zu: ein Wettcafe kam hinein. Der Bäcker machte zu: ein türkischer Laden kam hinein. Der Sauerkrautladen sperrte zu: ein türkisches Geschäft kam hinein. Der nächste Fleischer ging in Pension und keine der drei Töchter wollte übernehmen: ein türkischer Fleischer kam hinein.
Es gab viele günstige, aber wenige für Mittelstandsfamilien attrakive Wohnungen. Häuser verfielen. Am Markt gab es praktisch nur Standard-Grünzeug, und selbst das wurde zusehendes von Textilramsch made in China ersetzt. Es zeigte alles in Richtung Ausländerghetto, mit einer Handvoll Multikulti-Bobos dazwischen.
Dann griff die Gemeinde Wien mit einem mächtigen und langfristig extrem effizienten Instrument ein, und das nennt sich Stadtentwicklung. Der Markt wurde autofrei und Stück für Stück an Strom und Kanalisation angeschlossen, es wurden Häuser und Wohnungen saniert, Kultur gefördert.
Die Köchin Denise Amann mit dem Noi und die italienische Feinkostbar La Salvia trauten sich an den Yppenplatz und andere zogen nach. Mittlerweile gibt es längst nicht mehr nur das Kent und andere türkische Gasthäuser, sondern ein lässiges Lokal nach dem anderen. Familien ziehen zu, auch österreichische. Es mischt sich wieder. Und es lebt sich gut am Brunnenmarkt,sehr gut.