03.11.09

Ideologisch statt logisch

Doris Knecht | 11/09 | Kurier-Kolumne

Die Studenten sollen gefälligst arbeiten statt protestieren, da die Allgemeinheit schließlich für ihr Studium bezahle. So  ruft es aus manchen  Kommentaren zur Audimax-Besetzung. Und das ist mit voller Absicht fuzzikurz gedacht, denn es ist natürlich ein sozialstaatliches Prinzip, dass die eine  Generation der nächsten die Ausbildung vorschießt und damit für die eigene bezahlt. Wer das ignoriert, argumentiert nicht logisch – sondern ideologisch in den Sack jener, die sich für ewig zu kurz gekommen halten. Und fordert hintenherum, dass höhere Bildung wieder wohlhabenden Eliten vorbehalten sein solle.
Basierend auf einem ähnlich ideologisch statt logisch motivierten Denkprinzip legalisiert das ÖVP-Justizministerium die Homo-Ehe nun einerseits,  und verbietet ihr andererseits en Festakt am Standesamt. Das ist ein bockiges Beharren auf tradierten Vorurteilen. Was hier schon öfter zu lesen war, völlig sinnloserweise: Denn in dieser Frage verfangen vernünftige Argumente bei der ÖVP ebenso wenig wie Verweise auf die Verfassung („Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz gleich“). Die Volkspartei erlaubt sich auch weiterhin den stillen Zusatz: „Außer sie lieben Partner des gleichen Geschlechts, dann sind sie nicht gaaaanz gleich“; man gönnt sich  ja sonst nichts.
Das ähnelt im Kern ein wenig jener Nachricht, dass die britische Regierung ihren Drogenbeauftragen gefeuert hat, weil er auf streng wissenschaftlicher Basis die Gefährlichkeit von Extasy und Canabis und die Ungefährlichkeit von Tabak und Alkohol relativierte. Das passt nicht ins  Konzept der Dämonisierung einzelner Drogen, also weg mit dem Mann.
Ideologie statt Logik; das hat halt nach wie vor immer und überall Saison.
« Dann wird es noch viel schlechter | Main | Das bin doch nicht ich! »
kommentieren
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)













« Dann wird es noch viel schlechter | Main | Das bin doch nicht ich! »



SOS Mitmensch