Doris Knecht
| 11/09
| Kurier-Kolumne
Gestern fing – auch wenn die Sonne, die eben durch das offene Fenster auf mein Antlitz und meinen Bildschirm brennt, das Gegenteil behauptet – gestern also fing Weihnachten an. Offiziell; also bei uns daheim
Der Adventkranz wurde im Hort unter völlig tatenlosem Beisein der Kinder („nein, mach du“) produziert: Das übliche ringförmige Strauchwerk, die Deko heuer in orange (das Jungvolk hat es angeordnet).
Die ersten Geschenke wurden mit der Post geliefert und im Dachboden versteckt. Die Wände der Wohnung sind eh schon längst vollgepickt mit gezeichneten und ortografisch originellen Wunschzetteln voller teils unerfüllbarer, teils bizarrer Wünsche. („Ein Torwartleibal. Ein Gemboi Schbil.“ „Ich wünche mir ein eigenes Zimer, das ist mein gröster Wunsch. Und Krücken.“) Auch gestern wurden die neuesten Eintragungen von den Erziehungsberechtigten mit de Worten kommentiert, man werde dem Christkind die aktuellen Änderungen übermitteln, garantiere aber für nichts; Was auch gestern mit genervtem Gebrüll bestraft wurde: „Jetzt kapiert das doch endlich! Es gibt kein Christkind! IHR müssts das kaufen!“ Ach so. Und das Leiberl soll, warte mal, rosa sein, oder?“ „Grün, Mama, GRÜN, ich hab dir das schon TAUSEND Mal gesagt! Das! Ist! Nicht Lustig!“ (Ist es doch, und eine der preiswertesten Freuden des Advents: den Nachwuchs auf die Palme zu treiben, äh, den Baum.)
Und weil gestern offiziell Weihnachten anfing, wagte ich es erstmals, in Bob Dylans Weihnachtsalbum hineinzuhören, und Allmächtiger, ich hatte ja keine Ahnung. Und es wäre mir viel lieber, ich hätte sie auch weiterhin nicht. Gestern fing Weihnachten an, schön; aber wenn ich es nicht hören muss, ist es total ok.