20.11.09

Seit 20 Jahren ein glückliches Paar

Doris Knecht | 11/09 | Kurier-Kolumne

Freunde von mir haben kürzlich ihr Beziehungsjubiläum gefeiert: Sie sind seit zwanzig Jahren ein Paar. Auf den Fotos ihrer Facebook–Alben sieht man sie meistens zu zweit, und auf fast jedem Foto sehen sie glücklich aus; ein glückliches Paar. Vor drei oder vier Jahren haben sie sich gemeinsam eine Wohnung gekauft, mit einem Garten und einer Katze. Ihr Jubiläum haben sie in Venedig gefeiert. Und, nein, verheiratet sind sie nicht. Weil: Sie durften bisher nicht heiraten. Und falls sie jetzt heiraten wollen – sie wollen nicht, wollen’s aber dürfen – können sie es zwar, aber nicht am Standesamt, das hat die Regierung vorgestern so beschlossen. Sie dürfen es nicht, weil sie Mann und Mann sind, statt, wie es sich gehört, Mann und Frau. Kanzler Werner Faymann hat diese eingeschränkte Homo-Ehe ernsthaft als „Erfolg der SPÖ“ gefeiert. Und das ist nun eine ernsthafte Verhöhnung mündiger Wählerinnen und Wähler, homo- wie heterosexueller. Denn das ist es nicht. Es ist ein Erfolg der ÖVP, dass ihre Ressentiments und Vorurteile jetzt in einem Gesetz festgeschrieben sind, das längst überfällig war. Immerhin: Das Gesetz verschafft endlich endlich endlich auch in Österreiche gleichgeschlechtlich Liebenden ein Recht auf eine gesetzlich verankerte Partnerschaft. Und natürlich ist die Tatsache, dass es dieses Gesetz jetzt gibt, weitgehend den jahrelangen, sturen Bemühungen von SPÖ-Verhandlern zu verdanken. Aber: Es ist ein Kompromiss, mit diskriminierenden Einschränkungen, die dem Koalitionsfrieden geschuldet sind. Ein Kompromiss, der, ja, besser ist als gar nichts und auf dessen Basis man – und so hätte Faymann das glaubwürdig argmentieren können – man weiterarbeiten kann und muss, bis das Gesetz wirklich gut und gerecht ist. Aber ein Erfolg für die SPÖ? Bitte gar schön.
« "Der Rechtsstaat muss für alle gelten" | Main | Da ist kein Vorwurf zu machen »