22.12.09

Und jetzt: Das Duell der Alphamännchen

Doris Knecht | 12/09 | Kurier-Kolumne

Betrachten wir den FPK-Kracher doch einmal aus küchenpsychologischer Sicht. Und durch die Augen einer Frau, weil: Wie die beiden Alphahirsche Scheuch und Strache sich da letzte Woche durch alle Medien röhrten: huiiii! Männlich. Eindrucksvoll. Und putzig. Man konnte direkt sehen, wie den beiden das Testosteron aus allen Poren perlte. Hier wurde ein archaisches Männer-Ritual zelebriert: Zwei Könige verlassen nach langem Kampf das Schlachtfeld, stecken ihre Schwerter ein und vereinigen ihre Ländereien gegen die anderen Könige. Oder auch: zwei Buben ziehen sich in der Sandkiste nicht mehr gegenseitig die Schaufeln über, sondern bauen fortan gemeinsam an der Burg und erheben ihre Schaufeln jetzt Seite an Seite gegen Dritte.
Auch H.C. Straches Motivation  lässt sich küchenpsychologisch am schlüssigsten  erklären. Weil, eh. Der arme Bub ist beleidigt worden, gekränkt, gedemütigt und verraten. Er hat lange, sehr lange auf seine Revanche gewartet und jetzt zurück geschlagen. H.C. Strache ließ es sich nicht mehr anmerken, aber er sann auf Rache, seit Jörg Haider, sein Hero, sei Mentor, sein Freund, sein Idol, ihn damals in Knittelfeld übrig ließ: mit einer fragmentierten FPÖ, der im Moment kaum einer nur den Hauch einer Chance gegeben hätte.

Wer zuletzt lacht. Es genügte Strache nicht, diese Annahme zu widerlegen. Es reichte ihm nicht, Chef einer FPÖ zu sein, die sich an allen Flanken – außer der südlichsten – zügig erholte. Und es war ihm zu wenig, mit dieser – längst: seiner – FPÖ Wahl um Wahl zu gewinnen. Strache will mehr: Er will nicht  nur die FPÖ, er will sich auch die Haider-Partei  unterordnen, und zwar genau dort, wo Haider wie ein Heiliger verehrt wird. Er will es ihnen jetzt zeigen. Er gibt es ihnen jetzt zurück. Er beweist jetzt, wer zuletzt lacht. Er hat sich seine Rache hart und geduldig erarbeitet. Er hat alle Demütigungen stehend und lächelnd hingenommen. Jetzt schlägt er zurück.
Diese Frage lässt sich allerdings auch mit den Mitteln der Küchenpsychologie nicht befriedigend klären: Warum gerade jetzt? Hat er es einfach nicht mehr ausgehalten? Doch diese Ungeduld könnte seinen schönen Plan letztlich zunichte machen. Denn der typische Wiener Wechselwähler, der aus Ärger und dem Gefühl des Zukurzkommens von der SPÖ zur FPÖ überläuft, wird es kaum goutieren, dass er bei der Wien-Wahl nicht nur Saubermacher Strache wählt, sondern mit seinem Kreuz auch für zwielichtige Kärntner Steuergeld-Vernichter stimmt. Das passt nicht zusammen. Und könnte deshalb für Strache klassisch nach hinten losgehen. Dass umgekehrt die Kärntner Strache nach Haiders Tod ersatzweise als Reservebank-Messias anbeten werden, ist eher unwahrscheinlich. Aber das, genau das, will Strache eigentlich. Und deshalb, genau deshalb, ist ein beinhartes Duell der Alphahirschen schon vorprogrammiert: Die Geweihe werden aufeinanderklirren. Und am Ende wird es nur einen geben. Oder wieder zwei Parteien. Oder drei. Bei so viel Testosteron ist man vor Überraschungen ja nie sicher.


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