10.01.10

Es gibt nur sie

Doris Knecht | 01/10 | Kurier-Kolumne

Der Fall Kampusch ist also abschlossen. Der Endbericht ist da, und damit ist alles erzählt, was es, im Sinne der Staatsanwaltschaft, zu erzählen gibt. Das ist auf vielen Seiten nicht viel neues: Ermittlungspannen werden eingeräumt, die Einzeltäter-Theorie wird betoniert.

 Natürlich wird das weitere Spekulationen nicht verhindern. Die Außerordentlichkeit des Verbrechens an Natascha Kampusch trägt dazu ebenso bei, wie die merkwürdigen Aussagen von Ludwig Adamovic, dem Leiter der Evaluierungskommission und das ambivalente Verhältnsi des Opfers zur Öffentlichkeit.

 Natascha Kampusch war, wie nicht nur ihr eigenes anhaltendes Leiden, sondern auch der völlig andere Umgang mit den Opfern von Josef Fritzl zeigte, von Beginn an schlecht beraten: Die konzentrierte öffentliche Neugier fokussierte gleich auf das Opfer, dass sich bis heute nicht recht entscheiden kann, ob es seine Traumata aus der Isolation seines achtjährigen Gefangenschaft öffentlich oder ganz für sich verarbeiten will. Kampusch befeuert diese Neugier selbst immer wieder, indem sie die Hoffung der Medien, dass bei ihr doch noch etwas Neues, Sensationelles zu holen sei, periodisch durch Interviews nährt.

Ganz anders verlief der ansonsten ähnlich gelagerte, aber noch grausigere Amstettner Kriminalfall; unter anderem deshalb, weil es da einen lebendigen, angemessen diabolischen und letztlich seiner Strafe zugeführten Täter gab, an dem sich die Öffentlichkeit abreagieren konnte. Und weil man die Opfer, soviel hatte man aus dem  Fall Kampusch gelernt, von der Neugier der Öffentlichkeit entschieden und erfolgreich abschirmte, bis deren Interesse nach dem schnellen, kurzen Gerichtsverfahren allmählich erlahmte.

 Diese Glück hat Natascha Kampusch nicht. Der Fall ist abgeschlossen, aber ihre Geschiche ist wohl nie vorbei.

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