25.01.10

Herein, die Töchter

Doris Knecht | 01/10 | Kurier-Kolumne

Die Bundeshymne: Ist das nicht das Lied, das Fussballer bei Länderspielen gemeinsam nicht singen, weil sie es nicht können?  Für ein Lied, das ein Großteil der östereichischen Bevölkerung nicht kann, ist die Bundeshymne in den letzten Tagen ganz schön auffällig geworden: Wegen der Töchter, die man jetzt dazugedichtet hat, und die Christina Stürmer dazusang. Große Aufregung, Klagsdrohung, Skandal: Wobei mir der Umstand, dass Stürmer – im Auftrag des Bildungsministeriums – die österreiche Bundeshymne in radikalem Preussendeutsch intontiert, weitaus skandalträchtiger zu sein scheint.
Doch wenn im Zusammenhang mit der Bundeshymne schon so erbittert über das Wie gestritten wird, kann man auch gleich einen Schritt weitergehen, und nach dem Ob fragen.  Nämlich, ob etwas derartiges wie ein gemeinsames National-Lied heutzutage überhaupt noch eine Bedeutung hat. Und wenn ja für wen. Moooment, nein, ich will hier keineswegs die Abschaffung der Bundeshymmne anregen. Aber wem gehört das Lied? Und was soll es bezwecken?
Es gehört allen Österreicherinnen und Österreichern und  soll ihr Gemeinschaftsgefühl wecken und stärken. Was natürlich eine weitere Frage aufwirft: Ob das von einem Lied nicht eh zu viel verlangt ist. Aber wenn man es schon verlangt, dann wäre es doch überaus hilfreich,  das Lied so zu formulieren, dass  sich alle Mitglieder der identitätssuchenden  Gemeinschaft darin  vorfinden.
 Also, bitte, lasst die Töchter herein. Und lasst auch die Chöre in der letzten Strophe freudig – bzw. freud’g – statt nur brüderlich erklingen. Dafür motschgern wir auch nicht am „Vaterland“ herum, versprochen.
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