6.01.10

Lob der großen Stadt

Doris Knecht | 01/10 | Kurier-Kolumne

Jetzt fanden, Halleluja!, die ersten Verpartnerungen (ein Bastard, dieser neue Begriff, aber ein gelungener, brauchbarer) statt. In Wien: feierliche Zeremonien in festlichem, offiziellen Rahmen. Denn hier dürfen sich homosexuelle Paare überall dort verpartnern, wo andere Paare heiraten dürfen. Und zwar, wer das will, mit dem gleichen feierlichen Pomp und Juchee, auf dass der Tag für alle Beteiligten unvergesslich bleibe.
Ein Lob der großen Stadt! In der dergleichen Liberatlität ungeniert gepflogen wird. Erstens einfach so, zweitens weil es den gesellschaftlichen Realitäten  entspricht. Drittens um die Ungerechtigkeiten des neuen Homo-Partnerschaftsgesetzes ein wenig  auszugleichen. Denn das wirft sich bekanntlich entschlossen vor die Tore der österreichischen Standesämter, auf dass diese  lesbischen und schwulen (pfui!) Paaren auch weiterhin verschlossen bleiben.
Zum Beispiel in Graz, das ihren homosexuellen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, Wählerinnen und Wählern, Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern eine feierliche Zeremonie  verwehrt. Nein, unserern Trauungssal kriegt ihr nicht! Grad extra! Das ist unnett, kleinlich, kleingeistig und schäbig. Und wie auch in Vorarlberg, wo man Verpartnerungen offenbar gar nicht durchzuführen bereit ist, kommt das ausgerechnet von jener Partei, die sich christlichen Werten wie  Verantwortungsbewusstsein und Nächstenliebe verpflichtet fühlt, aber halt – über das Gesetz hinaus – mitbestimmen will, wer und wie dieser geliebte Nächste zu sein hat.
Was diese Paare, zumindest viele von ihnen, tun werden, ist klar: Die zelebrieren ihre Verpartnerung eben feierlich in Wien. Wo sie erwünscht und willkommen sind. Ja, gut so.
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