Doris Knecht
| 02/10
| Kurier-Kolumne
Heute: kleiner Exkurs über das Es-gibt-auch-andere-Problem. Denn als ich Anfang der Woche kritisierte, dass manche Hundebesitzer sich nicht an die Gesetze halten, rüttelte ich damit nicht nur erfolgreich am Watschenbaum, sondern wurde auch dafür gescholten, dass ich nicht erwähnt hätte, dass es auch brave Hundebesitzer gibt.
Richtig. Die Frage ist nur: Muss man das? Existiert ein dialektischer Kodex, der vorschreibt, dass jede Kritik an einer zufälligen Gruppe verpflichtend zu ergänzen ist mit der Feststellung, es existiere aber auch deren Gegenteil?
Wenn jetzt zum Beispiel kritisiert wird, dass eine Hundezeitschrift gegen den Hundeführerschein mobil macht, in dem sie auf Flyern Welpen mit einem gelben, sechszackigen Stern versah, um nach Protesten zu behaupten, die Ähnlichkeit mit dem Judenstern sei rein zufällig: Muss dann extra erwähnt werden, dass nicht alle Hundefreunde so ruch- und hirnlos sind? Nein, weil die meisten Hundehalterinnen und Hundehalter an derartige Entgleisungen nicht einmal anstreifen wollen. Und weil sie keine homogene Gruppe mit Solchen und Solchen sind, sondern weil halt zufällig Solche Hunde halten und Solche auch.
Genauso wie auch Hohlköpfe gerne Ski fahren, und trotz eindringlichster Lawinenwarnungen gerade extra abseits der sicheren Pisten fahren. Und derart nicht nur ihr Leben, sondern auch das Dutzender Helfer in Gefahr bringen: Muss da extra dazugesagt werden, dass die meisten Schifahrer das nicht tun? Kann man, muss man aber nicht. Ein gemeinsames Merkmal schafft noch keine gemeinsame Identität. Skifahrer, Hundebesitzerinnen, Politiker, Homosexuelle, Autofahrerinnen, Asylwerber: Solche und Solche, da wie dort.