02.02.10

"Frechheit, diese Forderung!"

Doris Knecht | 02/10 | Kurier-Kolumne

Seit gestern früh wurde ich mit folgenden Attributen belegt: „dumm“, „faschistoid“, „volksverhetzend“ und natürlich „Hundehasserin“. Ich hatte („Frechheit, diese Forderung!“) darauf gedrungen, dass Hundehalter sich an die bestehende Gesetze halten. Und dass die Exekutive einschreiten möge, wenn sie es nicht tun.
„Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, was Sie für einen Sch... schreiben?“, schreibt Leserin Lisi L. Leser Thomas J. fordert die Einstampfung aller meiner Bücher.  Alexander F. formuliert wörtlich, dass „immer mehr Hass und Aggression von widerlichen tierfeindlichen Gutmenschen und Dummmenschen gegen jegliche Art von Tierhalter in dieser Stadt entfacht wird wie in den guten alten Zeiten als die Tierhalter noch die Juden waren“. Lassen Sie mich das präzisieren: Der Leser vergleicht die Kritik an Hundebesitzern, die ihre Hunde frei und ohne Maulkorb herumlaufen lassen, mit der Vernichtung von sechs Millionen Menschen. Entschuldigung: Das ist ein ungeheuerlicher Vergleich.
Allerdings offenbar unter manchen Hundehaltern üblich, nicht nur in Wien: eine Berliner Freundin berichtete mir von Berliner Hundebesitzern, die im Zuge der Debatte über ein Verbot gefährlicher Hunderassen ihren Tieren Judensterne anhefteten.
Zum Glück gibt es auch Hundehalter, die nicht mit religiösem Fanatismus auf Vorschläge reagieren, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Hunde optimieren könnten. Herrl  und Frauerl H. sind ebenso meiner Meinung wie Hundebesitzerin Alexandra W., und es sei hier wieder einmal gesagt: Die meisten Hundebesitzer gehen verantwortungsvoll mit ihrem Tier um.
Aber manche eben nicht. Und es sollte erlaubt bleiben, das zu kritisieren.
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» 02.02.10 12:13

Sehr geehrte Frau Knecht!

Verantwortungsbewusste Hundehalter haben leider keinen Einfluss auf Handlungen und Aussagen von genau den Hundehaltern, gegen die WIR ALLE gerne vorgehen würden.

Als einer der Initiatoren der gerade laufenden Flyer-Aktion "PACK MA´S" (für alle nicht-WienerInnen: "packen wir es an"), möchte ich darauf hinweisen, dass wir NICHT gegen stärkere Kontrollen und Strafen sind...im Gegenteil!

SIE wollen bei der Volksbefragung mit "JA" stimmen und das ist Ihr gutes Recht, aber welche Wirkung wird dieses "Ja" haben?

Wien hat etwa 90.000 Hunde - der Hundeführschein wird für einen verschwindend kleinen Teil der in Wien gehaltenen Hunde (nicht viel mehr als 5.000) und ihre Besitzer/Halter eingeführt und selbst wenn wirklich ALLE Betroffenen sich der (sehr einfachen) Prüfung unterziehen, wird sich ihr Umgang mit den Hunden und mit ihren Mitmenschen nicht ändern...ob jemand einen Hundeführschein in der Tasche hat oder nicht, wird seinen Mitmenschen reichlich egal sein, wenn die bestehenden Gesetze nicht kontrolliert werden und dann eben "geprüfte" Hunde ihre Hauferl setzen oder von irgendwelchen Deppen als abschreckendes Mittel eingesetzt werden.

Kein Autofahrer wird durch den Führerschein daran gehindert, seinen Fuss fester auf das Gaspedal zu setzen, warum sollte das mit dem Hundeführschein anders sein?

Nur um es nochmal klar zu sagen - ein JA hat keine Auswirkung auf unseren Strassen.
Ein JA wird aber bewirken, dass unser Gesetzgeber mit dem Argument "wir haben reagiert, jetzt müssen wir abwarten" einfach NICHTS mehr macht...in Deutschland dauert dieses abwarten mittlerweile schon 10 Jahre und jetzt bröckeln die Rassenlisten, weil sie nichts gebracht haben (Niederlande und Italien haben 2009 alle Rassenlisten wieder gestrichen).

Ein "NEIN" zum Hundeführschein ist die einzige Antwort der wahlberechtigten Bevölkerung um unseren Gesetzgeber zu einer besseren Maßnahme zu zwingen, damit endlich mit ECHTEN Experten Gespräche geführt und weitere Schritte festgelegt werden können.

Wir verantwortungsvollen Hundehalter stellen uns NICHT gegen die Pflicht einer "fundierten Ausbildung" für Hundehalter (wie sie uns am Stimmzettel vorgegaukelt wird), sondern treten FÜR stärkere Kontrollen von Hundehaltern und eine effektivere Bekämpfung von Vermehrern/Hinterhofzüchter ein.

Ein "NEIN" ist die einzige Chance auf konstruktive Gespräche und wirkungsvolle Maßnahmen!


Mit freundlichen Grüßen

Markus Pollak
ehemaliger Rettungshundeführer der Österreichischen Rettungshundebrigade LG Wien, mit einer Staffordshire Bullterrier-Hündin und einer American Pit Bull Terrier-Hündin als Rettungshunde

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