Doris Knecht
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Das war pädagogisch eher bedenklich. Gebe ich unumwunden zu. Ich habe auch gleich die Hortbetreuerin angerufen und gesagt, bevor du es von den Kindern erfährst, ich gestehe alles. Denn damit die Kinder uns nicht zwingen, am Sonntag in aller Herrgottsfrühe nach Wien hineinzufahren, damit sie beim Marathon einen Kilometer im Pulk laufen und dann eine Medaille abgreifen können, haben wir mit ihnen einen Deal gemacht: Ihr verzichtet auf den Marathon, wir bleiben im Waldviertel, und ihr bekommt dafür diese Nintendo-Speicherkarte, wegen der ihr uns permanent auf den Sack geht. Mit 25 Spielen darauf. Die Kinder haben gesagt: okay. So macht man das als echter Pharisäer: Man predigt Kinder-Bewegung und drängt ihnen dann ersatzweise etwas auf, bei dem sie blöd herumsitzen und fett und deppert werden. Bekannte mit frischen Säuglingen erklären mir, dass ihr Kind aber garantiert nie einen Nintendo bekommt, aber erstens kann das Baby halt noch nicht widersprechen, und zweitens halte ich das, ja, sogar für möglich, aber nur weil es in sieben Jahren wesentlich geileres Computer-Verblödungszeugs geben und der Nintendo dann im Subotron-Shop als Antiquität verkauft werden wird.
Das Ergebnis war, dass mich das eine Mimi am Samstag um zehn nach sechs geweckt hat, damit ich die Nintendos herausgebe. Ich musste ihm drohen, dass es das Ding bis Weihnachten nicht mehr zu sehen bekommt, wenn es das noch einmal macht, und so konnte ich am Sonntag bis sieben Uhr ausschlafen. Aber bitte. Man muss das positiv sehen. Ich weiß im Moment gerade nicht wie, aber ich kann jetzt nicht plötzlich mit negativer Weltsicht kommen, wo ich den Langen eben erst dazu überredet habe, das Leben auch einmal ein bisschen positiver zu betrachten, es sei wahrlich nicht immer alles so geschissen, wie er es immer sehe!, man müsse nicht immer schimpfen!, man könne das auch anders betrachten, freundlicher! Worauf der Lange jetzt tatsächlich positiv denkt, und zwar auf eine so radikale Weise, dass ich mir heimlich wünsche, er möge wieder zu seinem alten Grumpyismus zurückfinden.
Der Lange findet jetzt alles total super. Und er lächelt nun manchmal, das macht mich extrem nervös. Das passt nicht zum Langen, dieses Lächeln. Ich bin es nicht gewohnt, die Zähne des Langen außerhalb der Essenszeiten zu Gesicht zu bekommen. Er schreibt jetzt von Orten, von denen er gewöhnlich Ich-wäre-eigentlich-lieber-tot-als-hier-SMSe schickt, Botschaften mit Inhalten wie: es ist wunderbar hier. man muss nur auf die menschen zugehen, das ist das geheimnis. Und ja! Das finde ich wirklich! Ich glaube an Freundlichkeit und die Kraft ihrer Potenzierung! Aber wenn es vom Langen kommt, ist es irgendwie spooky. Andererseits glaube ich eh nicht, dass es anhält. Ich gebe ihm eine Woche, dann ist er wieder der Alte. Acht Tage, neun höchstens, dann schimpft er wieder ganz normal.