Doris Knecht
| 04/10
| Kurier-Kolumne
Die neunjährige Tochter der H.s wurde als eine von zwei Vertreterinnen ihrer Volksschule ins Währinger Schülerparlament gewählt: eine Sache, der viel politische Bildung im Unterricht voran ging. Dann fand die erste Sitzung dieses Schülerparlaments statt und die Schülerin kam mit einem Packerl Unterlagen zurück: sowie einem neuen Ravensburger-Spiel, Wert, schätzt die Mutter, ca. 30 Euro. Das sei, fragten die Eltern das Kind, wohl für die Schule? Nein, sagte das Kind, das habe es vom Bezirksvorsteher als Geschenk für sich erhalten.
Das fanden die Eltern nicht in Ordnung, sondern sehr bedenklich. Weil: was ist das für eine politische Sozialisation, was lernt ein Kind daraus, dass politisches Engagement unmittelbar mit persönlicher Bereicherung einher geht?
Die H.s schrieben dem ÖVP-Bezirksvorsteher von Währing deshalb am 7. April einen Brief, eine Kopie erging an die Schule ihrer Tochter. In dem Schreiben fragten sie höflich, aus welchem Grund das Kind „eine Belohnung für die Teilnahme am Schülerparlament“ erhalten habe. Denn: „Unserem Demokratieverständnis nach muss allein die Auswahl zur Teilnahme Ehre und Belohnung genug sein. Schließlich vertreten die Grundschüler nicht ihre privaten Interessen, sondern sind von der Schule demokratisch gewählt und als deren Vertreter mit einem Auftrag ins Parlament geschickt worden.“ Das dürfe, schlossen die H.s „nicht mit individueller Begüngstigung verbunden sein“.
Dass der Bezirksvorsteher den Brief erhalten hat, wissen die H.s, weil sie hörten, dass er offenbar die Schuldirektorin deswegen anrief. Eine Antwort erhielten sie nie. Vielleicht versteht der Bezirksvorsteher ja einfach das Problem nicht: So läuft Politik nun halt einmal.