12.04.10

Wenn Hader "ha" sagt

Doris Knecht | 04/10 | Kurier-Kolumne

Wenn, sagen wir, Hansi Hinterseer „ha“ sagt (etwa im Kontext von: „Isch des nit bärig, ha?“) dann heischt dieses „ha“ nach kollektiver Zustimmung. Wenn Josef Hader „ha“ sagt, dann das Gegenteil. Dann liegt in diesem „ha“ das ganze Spektrum von Angezipftheit und grollendem Grant. In der im ORF morgen und am Freitag gezeigten Serie „Aufschneider“ sagt Hader ein paar Mal „ha“. Also: „Haaa“. Weil es der Grundkonstitution seines Charakters entspricht, des Pathologen Hermann Fuhrmann, der uferlos im Clinch liegt: mit dem Grad des Ansehens, das ein Krankenhaus für Pathologen vorgesehen hat, mit der Ex-Frau, mit dem neuen Assistenten und mit dem Chirurgen Böck, den er unbedingt eines Kunstfehlers überführen will. Allerdings gibt das Leben Fuhrmann noch weitere Anlässe zu angespeisten „haaa“s, und davon handelt der „Aufschneider“. Und er handelt, im Kontext von Fernsehen im Allgemeinen, davon, wie Fernsehen im Speziellen sein kann. Ihre Autorin hat endlich die letzte Staffel der „Sopranos“ quasi am Stück gesehen und ist jetzt entsprechend aufgewühlt und qualitätsverwöhnt. Und auch wenn der „Aufschneider“, nona, nicht die „Sopranos“ ist und sein kann, vermittelt er doch eine sehr anschauliche, überzeugende Idee davon, dass auch mit den heimischen Produktionsbedingungen (und mit der einen oder anderen Konzession an das hiesige 20.15-Uhr-Publkum) gutes, intelligentes, lustiges und mitreißendes Fernsehen möglich ist. Man muss halt die guten, intelligenten Leute ran und machen lassen. Was in diesem Fall geschah. Und das Ergebnis sollte dem ORF Anlass genug sein, dieses Konzept entschieden weiter zu verfolgen. Ha? Und zwar „ha“ im hinterseerschen Sinn.
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