Doris Knecht
| 04/10
| Kurier-Kolumne
Am Wochenende bei der Reinsaat in St. Leonhard Setzlinge gekauft; Zucchini, Mangold, Kürbisse, Paprika und Pfefferoni, seltene, alte Paradeisersorten. Bald ist Pflanzenmarkt bei der Arche Noah in Schiltern; dort weiß man gar nicht, wo anfangen, vor lauter tollen, kuriosen Gemüsesorten: gesammelt und gezogen von Utopisten mit der fixen Idee, dass wir keine wässrigen Paradeiser essen sollen, die in Holland oder Spanien auf Chemie-Teppichen gezogen werden.
Man muss gar nicht bis Schiltern fahren, man kann das jetzt auch bei Billa kaufen: Eine Auswahl von Samen alter Sorten und die Bio-Erde dazu. In Österreich gab es Bio-Freiland-Eier im Supermarkt , als die Menschen in deutschen Städten schon wieder vergessen hatten, was das ist, ein gesundes Hendl, das auf einer Wiese herumrennt und Körndl pickt. Weil sich Europa schon daran gewöhnt hatte, dass Hühner massenhaft in Käfigen gehalten werden, auf Gitterrosten, wo sie nicht schmutzen und nie die Sonne sehen. Dass man Obst und Gemüse nicht mehr in der Erde wachsen lässt, sondern in Agrarindustrien herstellt, in Landschaften, die keine mehr sind, weil sie unter pestizidverseuchten Folientunneln verschwinden, in denen unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen geschmackloses Gemüse produziert wird.
Das ist einmal eine schöne österreichische Tradition: dieses gute, überlieferte Wissen, wie Landschaften aussehen, Tiere gehalten werden und Nahrungsmittel schmecken sollen. Und wir haben, zum Glück, die entschlossenen Narrischen, die engagiert dafür sorgen, dass dieses Wissen nicht in den Archiven vergilbt, sondern auf Feldern, in Gärten, auf Weiden und schließlich auf unseren Tellern weiterlebt. Weil wir leben wie wir essen. Hier: gut.