Doris Knecht
| 05/10
| Kurier-Kolumne
Es ist vollbracht. Ihre Autorin, die es nicht lassen kann, bei diesem Thema immer wieder beide Seiten zu recherchieren, hat mit dem Rauchen wieder aufgehört. Nachdem ich die Recherche zwei Monate lang sehr ernst genommen habe, 20-bis-30-am-Tag-ernst, um genau zu sein.
Der Entzug fand unter verschärften Bedingungen statt, weil ich mir während der ersten drei Tage die gesamte zweite Staffel von „Mad Men“ anschaute. „Mad Men“, wer’s noch nicht kennt, ist eine unglaublich gut aussehende US-TV-Serie, die in einer New Yorker Werbeagentur der 1960er Jahre spielt. Und in der man die Charaktere mitunter kaum erkennen kann, weil sie permanent in dichten Rauchwolken verschwinden. In „Mad Men“ wird unablässig getschickt: In den Büros, während des Frühstücks mit den Kindern, ja selbst in Arztpraxen und Kinderzimmern. Das ist das Spannende an dieser Serie: Dass sie den jetzt 20 - bis 50jährigen zeigt, wie wir wurden, was wir sind: und was wir auf dem Weg in die Gegenwart alles zurück ließen. Im Prinzip macht „Mad Men“ anschaulich, was das konkret bedeutet, gesellschaflicher Wandel und kollektiver Konsens, und wie dergleichen entsteht.
Verantwortungsbewusste Mütter sperren in „Mad Men“ ihre Kinder zum Zwecke der Züchtigung in dunkle Kleiderschränke und fordern ihre Ehemänner auf, den Fünfjährigen endlich wieder einmal zu verprügeln. Bierdosen werden in der Natur entsorgt, es wird beim Autofahren Whisky getrunken und auch mit Fremden konsequent ohne Kondom gevögelt. Frauen werden ganz selbstverständlich benachteiligt und fangen gerade erst an, das merkwürdig zu finden. Und rauchen ist gesund.
Letzteres hätte von mir aus gern so bleiben dürfen. Aber nur letzteres.