19.05.10

Fernseh-Verbot

Doris Knecht | 05/10 | Kurier-Kolumne

Zweierlei. Zwei aktuelle Studien nämlich, zum Thema Kinder-Entwicklung. Die eine sagt: Zu viel Fernsehen macht Kinder dumm und dick. Die andere sagt: Wer früh lügt, tut sich später leichter. Beides ist logisch – und gehört zusammen. Denn lügen ist ja nicht einfach eine Unart; es setzt auch, wie die Forscher der Universität Toronto begründeten, die Fähigkeit voraus, „die Wahrheit im Kopf zu behalten, Spuren zu verwischen und die Tatsachen zu ihren Gunsten zu manipulieren“, lauter Talente, die dem erwachsenen Menschen im Beruf günstig sind. Sowie: Fantasie und Vorstellungskraft. Die wiederum geht vor dem Fernseher in beängstigendem Maße verloren. Vom Fernsehen bekommen Kinder fertige Bilder geliefert: Während sie, wenn sie etwas vorgelesen bekommen oder Hörbücher und Hörspiele hören, sich selbst eine Vorstellung machen müssen von den Figuren und Situationen. Die Frage ist leicht beantwortet, ob es für die Entwicklung eines Kinder-Hirnes besser ist, das Haus fixfertig vorgesetzt zu bekommen, oder es dort, im eigenen Kopf, selbst zu konstruieren, zu bauen und anzumalen. Die kanadische Langzeitstudie zeigt, dass Kinder, die zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren mehr als zwei Stunden pro Tag fernsehen, mit zehn signifikant schlechtere Schüler und um durchschnittlich fünf Prozent schwerer sind als Kinder mit niedrigem TV-Konsum. Studien-Fazit: Kleinkinder sollen so wenig wie möglich fernsehen. Ihre Autorin, die damit hervorragende Erfahrungen hat, geht noch weiter: Lassen Sie Ihre Kleinkinder gar nicht fernsehen. Weil sie, während sie das tun, nicht spielen, nicht basteln, nicht rennen, sich nicht konstruktiv langweilen – und nicht lügen. Und das sollen sie ja jetzt.
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