Doris Knecht
| 05/10
| Kurier-Kolumne
Die AHS-Lehrergewerkschafterin Eva Scholik ist verärgert; ich habe ihr im Zusammenhang mit den Gymasium-für-alle-Ideen von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl einen „ausgesprochenen Skandal“ in den Mund gelegt. Das hat sie aber gar nicht gesagt, das hat ihr Kollege, Lehrervertreter Walter Riegler, gesagt. Frau Scholik kommentierte Karls Überlegungen zur Reform des Mittelschulsystems dagegen höchst konstruktiv, sie empfahl der Ministerin, sie möge „in Hinkunft von diesbezüglichen Wortspenden Abstand nehmen“.
Was ich einmal so interpretiere, dass hier in Österreich niemand über Reformen des Schul- und Bildungssystems nachdenken und reden soll, schon gar nicht eine Wissenschaftsministerin. Das darf, wenn ich jetzt alles richtig verstanden habe, nur die Lehrergewerkschaft, die ihre Flexibilität und Gesprächsbereitschaft im Zusammenhang mit Reformvorschlägen ja immer wieder engagiert beweist.
Ich bedaure also die Fehlzitierung samt daraus resultierender Schlussfolgerung: Ich habe das missverstanden, diese Menschen haben nichts anderes im Sinn, als das Wohl und die Zukunft unserer Kinder. Und das erfüllt mich mit warmer Zuversicht: Alles ist gut! Wir brauchen nicht über Veränderungen nachzudenken! Oder gar zu reden! Alles läuft prima! Österreich hat ja in allen wichtigen Rankings die Nase vorn. (In der Pisa-Studie belegen wir bei der Lesekompetenz Rang 16 von 29, im Uni-Ranking des Lisbon Council Platz 16 von 17, aaaaaber: Platz 3 im EU-Kampftrinker-Ranking.)
So wollen wir Eltern schulpflichtiger Kinder uns nun alle hinter die Lehrergewerkschaft stellen und rufen: Alles ist super so, lasst uns vereint die Pappn halten! Schweigen ist nämlich Gold, ja, so ist es doch.