Doris Knecht
| 05/10
| Kurier-Kolumne
Dass Bus fahren auch in Österreich eine recht freudlose Sache sein kann, beweisen ein paar Leserinnen-Geschichten. So berichtete mir Gabriele G. von ihrer 72-jährigen Mutter, die in Traiskirchen lebt und gerne eine ihrer Töchter plus Enkel in St. Pölten besucht.
Mit dem Bus. Was nicht unkompliziert ist. Sie muss mit dem Wiesel-Bus von Baden nach St. Pölten, der fahre aber nur einmal täglich, weshalb sie um 7.10 Uhr zuerst mit dem Bus der Wiener Lokalbahnen nach Baden fährt; zu dieser Zeit ist der dieser voll mit Schülerinnen und Schülern. Mehr als einmal sei deshalb die Mutter vom Busfahrer aufgefordert worden, den Bus wieder zu verlassen, da dieser zu voll sei, was diese mit Hinweis auf ihren Anschlussbus verweigerte, was den Busfahrer wörtlich „nicht interessierte“. Die alte Dame fuhr trotzdem mit.
Ein anderes Mal habe die Mutter ihren Pensionisten-Ausweis gezeigt und dem Busfahrer das Geld passend gereicht, welcher ihr aber einen normalen Fahrschein heraus drückte. Die Mutter habe protestiert. Der Fahrer habe gesagt: „Hob i ned gsehn.“ Die Mutter habe bemerkt, dass sie den Ausweis aber deutlich sichtbar hingehalten habe. Der Fahrer habe gemeint: „Glauben´S do schau i drauf?“
Dass ihr im Wiesel-Bus nicht geholfen wird, wenn sie ihren Trolley im Stauraum unterzubringen sucht, ist die 72-jährige schon gewöhnt. Dass der Bus nach dem Aussteigen mit ihrem Koffer darin abfährt, sei ihr aber erst einmal passiert.
Was hoffentlich auch nicht wieder passiert: Im 62 A in Wien wurde die Freundin einer Leserin vom Fahrer aufgefordert, den Bus zu verlassen, weil ihr Baby seit drei Stationen weinte. Die junge Mutter stieg aus und weinte mit.