Doris Knecht
| 05/10
| Kurier-Kolumne
Gut, es war Freitag nachmittag. Insofern war ich bereit zu verzeihen, dass in der Filiale der Fleischerei-Kette das Telefon nicht abgehoben wurde. Und wieder nicht. Aber dann schließlich doch, und man nahm meine Bestellung nett und aufmerksam entgegen. (Also, wie aufmerksam, werde ich dann heute Nachmittag bei der Abholung feststellen.)
Aber ich konstatiere grundsätzlich in letzter Zeit sehr unösterreichische Umtriebe, wenn es darum geht, eine telefonische Information zu bekommen. Man ist als gelernte Hotline-Kundin ja viel Kummer gewohnt. Man hat ja Telefon seit den achtziger Jahren und Internet seit den frühen Neunzigern, und wurde zu dieser Zeit auch von diversen Behörden (u.a. Melde-, Pass-, und Finanzamt) als existent und säumig registriert. Und hat seither viel Zeit damit verbracht, seine Elektro-Kommunikation in Gang und seine Angelegenheiten in Griff zu bekommen, was einem früher von den zuständigen Stellen so schwer wie irgend möglich gemacht wurde. (Die Zeit, die ich anlässlich von 14 Wohnungswechseln in Meldeämtern zubrachte, summiert sich zu Tagen, ja, Wochen.) Und jetzt: Man wartet kaum, wird freundlich empfangen, die Anliegen werden schnell und kompetent erledigt. So erlebe es ich jedenfalls.
Auch der Versuch, telefonische Hilfe im Zusammenhang mit Telekommunikation zu erhalten, ist von einer traumatischen Nerven- und Sitzfleisch-Sache, die häufig an inkompetenter Stelle ergebnislos endete, zu einem Spaziergang geworden: Man wird freundlich und namentlich begrüßt und gefragt, wie einem geholfen werden kann. Und dann wird einem meistens wirklich geholfen! Vielleicht ist Österreich doch nicht Kundendienstresistent! Schwer zu glauben, aber tja.