6.05.10

Was wir dringend lernen sollten

Doris Knecht | 05/10 | Kurier-Kolumne

Rankings können wir nicht so gut. Weil: Schon wieder ein neues Ranking, in dem Österreich nicht besonders glorreich abschneidet: In der Rangliste der Länder, in denen Mütter am besten und sichersten leben, belegt Österreich den 26. Platz der 43 entwickelten Länder. Das ist interessant, auch im Vergleich zu einem anderen Ranking: Dem EU-Ranking über die Frauen-Gleichstellung, in dem Österreich im vergangenen Jahr dramatisch auf den vorletzten, 26. Platz abgerutscht ist. Weil bei uns Frauen um durchschnittlich 25,5 Prozent weniger verdienen als Männer. Jetzt müsste man meinen, dass es ein Land, das die Frauen am Arbeitsmarkt, in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft so massiv benachteiligt, wenigstens auf dem Gebiet der Mutterschaft mindestens aufs Stockerl, wenn nicht ganz nach vorne schaffen müsste, als logischer Ausgleich. Aber: genau nicht. Wieder, wie auch beim Gleichstellungsranking, liegen die skandinavischen Länder (und Australien) vorn: Dort sind die Frauen nicht nur am gleichberechtigsten, es geht dort auch den Müttern am besten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Wo Frauen viel Verantwortung und viel zu sagen haben, haben Frauen, ihre Interessen und ihre spezifischen Anliegen automatisch eine starke Lobby. Denn Frauen wissen nun einmal am besten, was Frauen in ihren individuellen Lebenssituationen brauchen und wollen: während der Ausbildung, wenn sie in den Beruf einsteigen, wenn sie Kinder bekommen, wenn sie trotzdem arbeiten wollen, wenn Familien auseinander brechen, wenn sie keine Kinder wollen und lieber auf sich gestellt sind. Wir lernen: Wo Frauen stark und gleichberechtigt sind, leben auch Mütter und Kinder gut. Besser: wir sollten es lernen, dringend.
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