Doris Knecht
| 05/10
| Kurier-Kolumne
Die Deutschen diskutieren gerade darüber, wie man korrekt Eltern ist. Konkret hat sich die FAZ auf die neue Familien-Zeitschrift Nido eingeschossen. Nido, ein Ableger des Stern-Magazins Neon, erscheint seit neuestem monatlich und will das Sprachrohr einer neuen, coolen Elterngeneration sein, die den Nachwuchs in ihr Leben integrieren möchte anstatt umgekehrt.
Das passt nicht so recht ins Kindchenschema der alten Tante FAZ, die kritisierte, Kinder kämen in Nido nur am Rande vor, „bestenfalls als modisches Anhängsel, das auszustaffieren man sich dem Kaufrausch ungehemmt hingeben darf, schlimmstenfalls als ein Handicap, dessen man sich irgendwie entledigen sollte.“ Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung legte am Muttertag noch nach: für Nido bliebe „Kinderhaben eine Frage des Lifestyles“.
Tatsächlich werden in Nido Fragen gestellt: „Bin ich eine gute Mutter?“ Wie gehen zwei einst gleichermaßen einkommenstarke Partner mit dem neuen Familienbudget um? Gibt es im Land genug Krippenplätze, und wenn nein, warum nicht? Und das, ja, ein wenig poppiger und radikaler als in „Eltern“.
Die Debatte darüber, was Eltern ausmacht, wie sie leben und mit ihren Kinder umgehen sollten, wurde auch durch Ursula van der Leyens streitbare Familienpolitik angefacht und macht hierzulande vor allem eins: neidisch. Denn bei uns ist moderne Elternschaft eine vorwiegend budgetpolitische Frage, keine philosophische. Und wird medial weitgehend als obskures Randthema betrachtet, das seine Entsprechung in oft originell platzierten Randspalten findet. Oder, eh, in Frauenzeitschriften, wo das Thema Familie für viele noch immer perfekt aufgehoben ist. Nido erscheint übrigens in einer Auflage von 200.000 Stück.