Hans Hurch hat
ausdrücklich gesagt, ich darf schreiben, dass es sein Geld war, das am
Donnerstag im Jelinek-Stück verbrannt wurde. Es ist ihm, hat Hurch gesagt, egal, ob ich das schreibe: Es war Hans Hurchs
Hunderter, der während der Premiere der "Kontrakte des Kaufmanns" in Flammen aufging, und es war auch
sein Hunderter, der danach zerrissen wurde (den bekam er allerdings hinterher
wieder, zum Restaurieren). Hurch hat die Geldverbrennung lässig genommen, er
betrachtet das als Opfer, ist jetzt wurscht wofür, im Publikum allerdings war
Beklommenheit spürbar. Ist das echtes Geld, das die da verbrennen? Und war das
abgesprochen vorher, mit dem im Publikum, der das Geld hergegeben hat? Und
kriegt der das Geld nachher wieder?
Das ist aus zweierlei
Gründen putzig, weil es erstens in Elfriede Jelineks fantastischem Text 99
Seiten lang um nichts anderes als um Geld und seine Vernichtung geht und die
daraus resultierende Vernichtung derer, die es einst besaßen. Und weil ja
zweitens jeden Abend auf so gut wie jeder Theaterbühne Geld schüppelweise
verbrannt wird, mein, dein, unser Steuergeld nämlich, das Theater sei, hätte
(und, äh, habe) ich noch letzte Woche behauptet, und, nach der Verabreichung
schon kleinerer Dosen Alkohol gerne auch gebrüllt, im Großen und Ganzen und bis
auf ein paar winzige Ausnahmen eine einzige, riesige Geldverbrennungsmaschine,
die vor allem denen Freude bereitet, die sie bedienen und die von ihr leben,
Schauspieler, Regisseurinnen, Bühnenbildner, Feuilletonisten, bla bla bla; mein
alter Sermon eben, für den ich jetzt ungefähr schon sechs Mal Zeilengeld
kassiert habe, ich weiß eh.
Anna, bekanntlich überaus
theateraffin, hat den Sermon jedenfalls nicht mehr ertragen und hat deshalb zum
entscheidenden Schlag ausgeholt und mich zu den "Kontrakten"
mitgenommen. Das schaust du dir noch an, hat Anna, die das schon kannte,
gesagt, wenn dir das auch nicht passt, dann lassmas für immer. Gut, habe ich
mir das noch angeschaut. Und ehrlich gesagt, ich hätte nach den 99 Seiten, nach
fast viereinhalb Stunden liturgischem Furioso noch länger schauen können. Weil
dieses Theater mir etwas über das Hier und das Jetzt erzählt, in
Hier-und-Jetzt-Bildern und in Jelineks Hier-und-Jetzt-Worten, und das haben,
sorry, Shakespeare und Goethe einfach nicht drauf.
Und weil man mir gestattete, ja, mich aufforderte, zwischendurch den Saal zu verlassen und mein Getränk von der Bar mit in den Saal zu nehmen, und das entspricht nun mal meiner Herkunftskultur sowie meinem Sitzvermögen. Hinterher, als ich Regisseur Nicolas Stemann kennenlernte, wurde mir dann auch klar, warum das alles so war, wie es war: Weil der eben auch von dort kommt, jedenfalls von dort in der Nähe. Und weil der ein Genie ist. Lassts mich mit Shakespeare und Goethe anglahnt, schreibt mir so etwas, spielts es mir so, dann liebe ich das Theater eh.