13.02.11

Die Welt als Wille und Wohnzimmer

Doris Knecht | 02/11 | Kurier-Kolumne

Zuerst hatte nur die Oma einen Fernseher. Dann hatten wir auch einen; und dazu Eltern mit sehr strikten Vorstellungen davon, was Kinder sehen dürfen und was nicht, was mich in der Schule zur einzigen Zwölfjährigen machte, die "Winnetou" zwar gelesen, aber nicht gesehen hatte. Weil dort wurde geschossen. Zuverlässig nicht geschossen wurde in den Samstagabend-Shows, und deshalb durften wir die sehen: Am laufenden BandDalli dalli, die Peter-Alexander-Show.
Peter Alexander kannten wir aus seinen Filmen (weil in denen auch nicht geschossen wurde, und wenn, dann nur mit Kalauern) und er brachte die große Welt in die Wohnzimmer einer Provinz-Gemeinde, in der das Leben übersichtlich und von ambitiösen Ideen nicht kontaminiert war: mit Arbeiten, Häuslbauen und Kinderkriegen als begrenzte Daseinsoptionen. Peter Alexander gab uns eine Tele-Vision davon, dass eine Welt jenseits von FS1 und FS2 existiert, in der lustige Stars (sogar Frauen! Caterina Valente, bitte!) lustige, extravagante Dinge tun und darauf eine Existenz aufbauen. So konnte das Leben also auch sein.
Diese Welt dringt jetzt jede Sekunde über Internet und hunderte TV-Kanäle noch ins entlegenste Kuhdorf, und kein Kind kann sich mehr vorstellen, dass es kein Star wird. Deshalb sieht Wetten, dass...? auch schon so lange so alt und bieder aus: Weil die TV-Hauptabend-Show ihre Ur-Funktion verloren hat und nicht mehr die Welt ins Wohnzimmer bringt, sondern mit eingeschraubten Glühbirnen und fliegenden Kronenkorken das Wohnzimmer zur Welt erklärt.
Am Samstag, als Thomas Gottschalk verkündete, dass er endlich aufhört, ist Peter Alexander gestorben: und niemand aus meiner Generation dachte diesem Tag nicht an seine Kindheit zurück. Es war bezaubernd, dankeschön.
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