7.02.11

Einkaufen mit Vorleser

Doris Knecht | 02/11 | Kurier-Kolumne

Wachsendes Problem: die Kennzeichnungen und Inhaltsangaben auf den Produkten. Ich kann sie nicht mehr lesen. Ja, man kommt in ein Alter, in dem allmählich die Sehkraft nachlässt: Aber hat man nur ein Recht zu wissen, was für Stoffe ein Produkt, was für Ingredienzen ein Lebensmittel enthält, wenn man jung und mit Adler-Augen gesegnet ist? Oder stets eine Lesebrille parat hat?

Muss ich mich damit abfinden, dass ich beim Einkaufen jetzt immer eine Lupe dabei haben muss? Oder die Kinder, damit die mir vorlesen können, was alles in dem Joghurt drin ist oder in dem Kaviar-Ersatz (Überraschung: das Kind liest sechs verschiedene E-Nummern vor), und ob das Shampoo eher für trockenes Haar ist oder für fettiges? Immerhin: Für die Kinder ist es eine gute Schule; so lernen die schon früh, was in ganz natürlich aussehenden Produkten so alles enthalten ist. Und was Antioxidantien, künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel und Farbstoffe eigentlich sind.

Aber nicht jeder hat ständig einen Vorleser oder eine Lesehilfe zur Verfügung. Und wem nützt eine Kennzeichnungsverordnung, die zwar penibel vorschreibt, was in welchem Land genau auf dem Produkt aufgeführt werden muss, aber nicht, wie groß es geschrieben sein muss? Was bringt es, wenn die Angaben auf Verpackungen zwar in zwölf verschiedenen Sprachen aufdruckt sind, aber in einer Vier-Punkt-Schrift, die nur scharfsichtige Zwölfjährige zu lesen imstande sind und, als zusätzliche Herausforderung, vielleicht auch noch in Weiß auf Gelb? Ihre Autorin hat aufgegeben und sich zur Minimierung des Problems eine Brille zugelegt. Gelöst wird es dadurch nicht.
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