Doris Knecht
| 02/11
| Kurier-Kolumne
Als ich heute Vormittag zur Bäckerei gekommen bin, lagen dort im Schaufenster auf einmal nicht mehr die Mohn- und Karottenkuchen, die Nussstrudel und die verschiedenen Brote, die stets den Verdacht erweckten, dass sie schon seit zehn oder zwanzig Jahren versteinert sind und einfach immer abgestaubt werden. Im Schaufenster lagen jetzt farbige Kartons.
Ich ging hinein und hinter der Vitrine stand keine der beiden vertrauten älteren Damen in den weißen Kittelschürzen, die immer ein bisschen muffig waren, denen man aber an guten Tagen mit ein bisschen Geschick ein Lächeln entlocken konnte, sondern zwei freundliche junge Frauen in Uniformen und mit Käppis. Die immer resolut auf Kante ausgerichtete Zwieback- und Haltbarmilch-Ausstellung in den Resopal-Regalen: Geschichte. Die frischen Vollkornkekse waren aus der Vitrine verschwunden, die mürben Kekse, die Linzeraugen, die Punschtörtchen mit den Gesichtern darauf, die Schokoschirmchen. Die zehn oder zwölf vertrauten Brot- und Weckerlsorten, wegen großen Erfolges seit Jahren verlässlich unverändert, die Butter- und die Briochekipferln: alles weg. Stattdessen stand ich vor dem Standardprogramm der modernen Bäckerei-Filiale: überquellende Vitrinen voll fertig gefüllter Sandwiches, Dutzender Sorten süßen Gebäcks, Modebrot-Allerlei.
In der Ecke steht schon ein Backofen, aus dem wird sicher bald frisch Gebähtes serviert, und Coffee-to-go wird es gewiss auch geben. Aber das alles gibt es zwei Häuser weiter und drei Häuser weiter und um die Ecke eh auch schon.
So eine richtige alteingesessene Bäckerei, wo das Roggenbrot noch warm aus einer richtigen Backstube kommt: Die gibt's in der Gegend jetzt nicht mehr.