2.02.11

Macht Erfolg gut und glücklich?

Doris Knecht | 02/11 | Kurier-Kolumne

Es gibt in Amy Chuas heiß diskutiertem "Tigermutter"-Buch (s. a. die gestrige Kolumne) einen Punkt, der mir, auch hinsichtlich der heimischen Bildungsdebatte, bedenkenswert erscheint: Chua schreibt, westliche Eltern sorgten sich ständig um das Selbstwertgefühl ihrer Kinder: Aber es stärke doch "nichts das Selbstvertrauen so sehr, wie wenn man etwas zustande bringt, das man sich erst nicht zugetraut hat".

Unterfordern wir Eltern unsere Kinder? Wenn wir etwa ihre Schwächen akzeptieren - in einzelnen Schulfächern, bei sportlichen oder musischen Talenten. Ist es Aufgabe von uns Eltern, sie zu ihrem "Glück" oder besser ihrem (und damit unserem) Erfolg zu zwingen? Indem wir, wie Chua, ihren Willen mit entschiedener Härte brechen, sie unnachgiebig zur Verbesserung ihrer Leistung zwingen?


Schwierige Frage: Einerseits verrotten beklagenswert viele Kinder samt ihren brachliegenden Talenten vor Fernsehern und Computern, weil ihre Eltern sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht um sie kümmern: Sie lesen nichts, lernen nichts, denken nicht, sind völlig unkreativ. Andererseits: Was für eine Zukunft ermöglichen wir unseren Kindern mit radikaler Strenge und Unnachgiebigkeit? Eine erfolgreiche, vorzeigbare, gewiss, in elitären, höchstleistenden Kreisen. Aber werden sie dadurch auch bessere, zufriedenere Menschen? War die selbst von ihren Eltern gedrillte Amy Chua zufrieden und voller Selbstvertrauen, während sie ihre Kinder quälte, um weiter die Großartigste zu sein?

Die jüngere Tochter tat dann etwas für ihr eigenes Selbstwertgefühl und widersetzte sich schließlich mit eisernem Willen dem Drill der Mutter. Ihre zerstörte Kindheit aber bleibt irreparabel.

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