Doris Knecht
| 02/11
| Kurier-Kolumne
Kleine, keineswegs empirische Untersuchung im Freudeskreis: Die meisten getrennten Eltern kümmern sich gleichermaßen um die gemeinsamen Kinder und versuchen, Trennungskonflikte nicht zu Lasten des Nachwuchses auszutragen. Bei einigen leben die Kinder mehr bei der Mutter, der Vater sieht sie an Wochenenden. Einige wenige Freundinnen mussten um die Alimente streiten, auch vor Gericht.
Dass es in diesem Kreis keinen einzigen Vater gibt, der sich beklagt, dass die Ex-Partnerin ihm den Kontakt zu den Kindern verwehrt, heißt natürlich nicht, dass das nicht vorkommt. Und dass es nicht Mütter gibt, die ihre Kinder als - auch finanzielles - Pfand gegen deren Väter benutzen. Aber das sei, wie die bekannte Scheidungsanwältin Helene Klaar in einem profil-Interview meinte, „ein marginaler Prozentsatz im Vergleich zu jenen Müttern, die daran verzweifeln, wie selten die geschiedenen Väter Kontakt mit ihren Kindern aufnehmen. Mich haben Mütter schon gebeten, den Vätern Geld anzubieten, damit sie ihre Kinder wenigstens einmal besuchen."
Man kann in Beziehungen nicht hineinschauen; die Probleme zwischen Partnern und Ex-Partnern lassen sich schwer verallgemeinern. Aber: Sie resultieren auch aus den Problemen einer Gesellschaft, in der Frauen immer noch den weit überwiegenden Anteil an Kinderversorgung und Haushalt übernehmen. Leider ist es noch immer mehrheitlich so, dass der eine (meist der Mann) voll arbeitet und die andere voll für alles daheim zuständig ist.
Mütter und Väter, die sich schon während der Beziehung gemeinsam um Kinder und Haushalt gekümmert haben, tun sich naturgemäß leichter, dieses Prinzip beizubehalten: auch über eine Trennung hinweg.