Doris Knecht
| 02/11
| Falter-Kolumne
Es ist ein schöner Unterschied zwischen Demokratien und Diktaturen, dass in Demokratien die Bürger ihre Meinung sagen dürfen. Man muss in Österreich nicht um sein Leben bangen, wenn man Kritik an Vorgängen und Zuständen übt. Man muss nur damit rechnen, dass man vollends ignoriert wird.
Oder dass man, wie es ULP praktiziert, so lange abgewimmelt, vertröstet und desinformiert wird, bis selbst die renitenteste Kundschaft irgendwann entmutigt aufgibt. ULP setzt beim Kundenservice auf die Hotline-Abschreckungsmethode, die vorsieht, dass man wenige, allgemeine Informationen und viele Beschwichtungsformeln auf viele unzuständige Mitarbeiter verteilt, die dafür bezahlt werden, die Konsumentenwut abzufangen, zu dämpfen und in Resignation umzuwandeln. Wir wollen nicht ausschließen, dass einzelne Beschwerden ihr Ziel erreichen - aber je öfter man sich an die Servicestelle wendet, desto weniger glaubt man daran; und desto eher unterlässt man es beim nächsten Mal. Womit ULP ihr Ziel erreicht hat.
Die Regierung verfährt anders. Wenn man sich, wie das mittlerweile 13.000 ÖsterreicherInnen getan haben, per Mail an die MinisterInnen gegen, zB, die geplante Verschärfung des Fremdenrechts ausspricht, kann es, wie berichtet, vorkommen, dass man (etwa von den Büros der Ministerinnen Bures und Fekter) darüber informiert wird, dass das Mail ungelesen gelöscht wurde. Man gibt den Untertanen also zu verstehen, dass einem ihre Kritik komplett powidl ist.
Diese skandalös selbstherrliche Arroganz verfolgt natürlich den selben Zweck: Die Leute davon abzuhalten, ihre lästige, den Betrieb aufhaltende Meinung öfter kundzutun.
Und das sollte, da wie dort, nicht gelingen.